Zwei auf einer Spur

22 07 2009

Wir fahren wie immer overländ gemütlich Richtung Ljubljana auf einer zunehmend schmaler werdenden Hinterländstrasse. In the middle of nowhere passieren wir eine Ampel. Grün, nichts Böses ahnend fahren wir weiter. Es folgt eine Unterführung. Höhe: 2.60. Ohalätz, unser Sidi ist 2.80 Meter hoch! Es scheinen aber ungemein grossgewachsene 2.60 zu sein… Wiewasmeinsch steigt aus und kontrolliert die langsame Durchfahrt. Der Sidi duckt sich, aber das wäre wohl kaum nötig gewesen: auf der Tafel sollte 3.60 Meter stehen. Nach diesem kleinen Unterbruch geht’s weiter.

Nun wird die Strasse enger und enger - und plötzlich kommt uns ein Auto ziemlich schnell entgegen. Kediabyssinia bremst und hält gegen den Rand, so dass der Wagen gerade noch passieren kann - oder besser: hätte passieren können. Denn der andere scheint dagegen eher zu beschleunigen, gestikuliert, bremst dann doch und fährt schliesslich mit blockierten Rädern in die Leitplanke. “So ein Depp!” entfährt es mir, aber da weiss ich noch gar nicht, dass diese Charakterisierung ungenau, weil zu mild, ist. Der Fahrer steigt nun nämlich aus, verwirft die Hände resp. zeigt mit allen Zeigefingern und einigen wenig schmeichelhaften Kraftausdrücken auf uns und ruft flugs die Polizei. Wir hätten die Ampel bei rot passiert und seien darum schuld, dass er - trotz Lichthupens unsererseits, bester Sicht auf Sidis unübersehbare 2.80 und freigemachten Weges - sein Auto demoliert habe!! Der Satzteil zwischen Gedankenstrichen muss ihm dabei allerdings entfallen sein. Das ist natürlich dicker Tubak und die Realität kann den Rauch deshalb leider nicht durchdringen. Schon bald versammeln sich hinten und vorne gegen 50 Fahrzeuge, die natürlich sofort alle diese leicht einseitige Variante des Vorfalles aufgetischt erhalten. Nicht einfach sich mittels einigen Deutsch- und Englischsprechenden auch ein bisschen Gehör und Sympathie zu verschaffen. Mit einem leicht mulmigen Gefühl warten wir also auf die Polizei und hoffen, dass diese nicht aus dem gleich Dorf wie der sich weiterhin ereifernde Fahrer kommt.

Entwarnung: Die Polizei schaut sich die Sache an, stellt kurz und knapp fest, dass - egal wie die Ampel stand - zum Bremsen mehr als genügend Platz bestanden habe und uns darum sicherlich keine Schuld treffe.

Noch mal Glück gehabt!



Touristenmelken einmal anders…

27 09 2008

Zur “kreativen” Regelauslegung der Fahrer passt die kreative Geldbeschaffung der bosnischen Polizisten. Wie ihr vielleicht wisst, grenzt Bosnien während genau 9 Kilometern ans Meer, wodurch der kroatische Küstenstreifen zwischen Split und Dubrovnik unterbrochen wird. Durch diese 9km müssen also alle Touristen hindurch. Soweit die Faktenlage. Nun zur Aufgabe: Wie zapft man als Polizist diese wandelnden Devisenquellen just auf dieser kurzen Strecke an. Antwort:

1. Installiere irgendwo beim Dorfeingang, womöglich etwas versteckt, eine 40km/h Tafel. Die Länder, wo man die Geschwindigkeitsbegrenzung sinnvollerweise beachtet (oder wer ist schon mal auf italienischen Autobahnen während ca. 30km mit 10km/h gefahren?) längst hinter sich gelassen, gibt die rollende Brieftasche unbekümmert Gas.

2. Postiere dich auf dem einem Abhang folgendem Parkplatz und winke einen nach dem anderen hinaus. Hierbei ist ein Radargerät gar nicht nötig, es ist JEDER zu schnell. Die Einheimischen lasse ungestört fahren, die haben ja keine Euros an Bord. Verlange 100€ und gehe bei unerwartet grossem Verhandlungsgeschick der edlen Spender auf 30€ herunter. Damit sind dann alle zufrieden und glücklich.

P.S.: Wir tuckerten nach der diesbezüglichen Warnung auf dem vorherigen Campingplatz, zum Frust der Kroaten hinter uns, im Schneckentempo an diesem Abzockungsperpetuummobile vorbei:-)

Ansonsten haben die Polizisten leider nicht viel zu sagen. In Sarajewo werden mitten in der Nacht auf der 8km Geraden zwischen der Stadt und dem Flughafen regelmässig  Rennen um sehr, sehr viel Geld veranstaltet in welche die Polizisten gemäss Befehl von oben nicht eingreifen dürfen. Das wäre ja noch, die Söhnchen der Mächtigen in ihren Freizeitvergnügungen zu beeinträchtigen! Wer möchte ihnen denn nicht die ergau… ehm verdienten kleinen Freuden des Raubkapitalismuses gönnen. Soweit ist der bosnische Rechtstaat noch nicht.