Über Zeit und Distanz

2 06 2009

Da waren wir (zu Fuss) mit unserer lieben Gastfamilie (resp. Fatima und Sohn) unterwegs zu einem nahen Park zwecks völkerverbindendem Picknick mit schweizerischem Birchermüesli auf iranischem Teppich. Die Zeit ist perfekt: Früher Abend, ein lauer Wind vertreibt die Tageshitze und wir sind hungrig. Der Ehemann kommt später, das heisst, er biegt plötzlich kurz vor dem Park um die Ecke und lädt uns in sein Auto. Wir denken uns, dass das doch nicht nötig wäre, ahnen sonst aber noch nichts.

Wir fahren los, aber nicht zum Park, sondern zu einem nahen Aussichtspunkt, den wir aber infolge Stau sowie unterschiedlicher Definition von nahe erst ca. 30 Minuten später erreichen. Nun aber zum Park, unsere Mägen knurren. Nach kurzer Besprechung entscheiden sich unsere Gastgeber für einen wiederum nahe gelegenen Park. Wir fahren und fahren und sehen unterwegs zig andere Picknick-Plätze aber leider nicht der Auserwählte. Nochmals über 30 Minuten später, scheinbar am anderen Ende der Stadt - wir sind inzwischen nicht mehr hungrig sondern nur noch müde - können wir uns dann inmitten dutzender anderer Familien niederlassen und das geschüttelte aber nicht gerührte Birchermüesli geniessen. Die Zeit ist nicht mehr ganz so perfekt und der Park weist - zumindest für uns - keine erkennbare Vorteile gegenüber dem zu Fuss Erreichbaren auf.

Fazit: Die Iraner haben eine völlig andere Wahrnehmung von Zeit und Distanz. Während wir unnötige Kilometer vermeiden, spielt die Zeit, die im Auto verbringen für sie keine Rolle. Benzin wird nicht kalkuliert und Autofahren ist so normal, dass man sich keine Gedanken über Sinn und Unsinn macht. So fahren sie problemlos eine Stunde hin und zurück, um dann eine Stunde zu picknicken. Wichtig ist einfach das Zusammensein und im Auto ist man schliesslich auch gemeinsam unterwegs.



Picknick Kultur

10 05 2009

Am letzten Freitag (hiesiges Wochenende) fahren in ein schönes und etwas kühleres Bergtal bei Abyaneh (Nähe Kashan zwischen Teheran und Isfahan) und suchen nach einem schönen Picknickplatz. Wir stellen fest, dass wir nicht wirklich die einzigen mit diesem Vorhaben sind. Aus einem Umkreis von mind. 300km sind die Iraner an ihrem freien Tag gekommen, haben Zelte aufgeschlagen, diverse Gaskocher, Töpfe, Geschirr, Teppiche und gute Laune ausgeladen und amüsieren sich anscheinend bestens. Bei dem schweren Gepäck ist es nicht erstaunlich, dass sich die wenigsten weiter als 3 Meter vom Auto entfernen. Das heisst allerdings noch lange nicht, dass sie deswegen auf dem Parkplatz bleiben. Im Gegenteil machen sie sich einen Sport daraus, wer mit seinem Peugeot (ca. 50% aller Autos) mitsamt seiner 10 köpfigen Verwandtschaft (wer sagt denn, dass in ein Auto nur 5 Personen passen oder was sind gar Kindersitze??) an einen möglichst unzugänglichen Platz fahren kann. Da sind sie also und freuen sich riesig, wenn wir mit unserem Sidi in ihrer Nähe anhalten. Kaum steigen wir aus, so werden wir von der Familie mit der schnellsten Reaktionszeit auch schon zum Tee eingeladen und 5 Minuten später bringen sie einen übervollen Teller mit einem guten Reisgericht. Wie soll (und warum wollte) man da ablehnen? Wir verbringen einen sehr gelungenen Nachmittag mit dieser herzlichen Familie und testen unsere gegenseitigen Sprachkenntnisse. Nachdem sie abgefahren sind, kommt auch gleich schon die nächste Einladung, die wir aber infolge akut voller Bäuche ablehnen müssen.

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