Kappadokien

16 11 2008

Es ist dies der äusserste, nordöstlichste Punkt, wo sich die grossen Touristenmassen noch gerade so hintrauen, bevor sie dann zurück in die nummerierte, klimatisierte Sicherheit der Hoteltürme, der hochglanzherausgeputzten - die aber doch stets, gemäss Lonely Planet “den ursprünglichen Charakter bewahrt haben” - Flanierzonen und der ebenfalls mit Sicherheit völllig überteuerten “hello my friend”- Teppichshops, zurückgekarrt werden.

In dieser kleinen ca. 5×10km Region erleben wir zwei Wunder:

1. Die etwa drei nur noch halb ursprünglichen Dörfer in der Gegend haben sich trotz einer beeindruckenden Dichte an Hotels und Restaurants einen durchaus sympathischen Charakter und ein erträglich überhöhtes Preisniveau bewahrt.

2. Das weiche Tuffgestein vulkanischen Ursprungs hat hier eine einzigartige Landschaft geformt. Dort wo härtere Gesteine den Tuff vor Erosion schütz(t)en, bildeten sich kaminartige Gebilde in allen Formen und Grössen. Diese wurden dann von den Bewohnern seit mehreren tausend Jahren eifrig ausgehöhlt und zu Wohnstätten, Kirchen, Ställen und ganzen unterirdischen Städten umfunktioniert.

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Die von uns besuchte Untergrundstadt in Derinkuyu ist acht Stockwerke tief in den Tuff gegraben und bot Platz für ca. 20‘000 Leute, die in Notzeiten mit Kuh, Kind und Kegel monatelang Unterschlupf fanden. Sie verfügte über ein eigenes Wasser- und ein ausgeklügeltes Belüftungssystem und war über kilometerlange Tunnels mit anderen unterirdischen Städten verbunden. Angreifer - sofern sie den Eingang überhaupt fanden - wurden durch zentnerschwere Steine und leicht zu verteidigende, enge Eingangstunnel abgehalten in denen die Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt war, während die Verteidiger im nachfolgenden grossen Raum unbeschränkt agieren konnten. Im Innern herrscht eine Temperatur von konstant 12 Grad, in den unteren Stockwerken sogar kälter. Gelagert wurden insbesondere Wein (nach sechs Monaten im Halbdunkeln bei 12 Grad waren die Bewohner einem guten Schluck sicher nicht abgeneigt) und Getreide, es gab Schulen, Kirchen und Aufenthaltsräume. Speziell ist der Hochzeitsraum in dem die Neuvermählten ausnahmsweise während zwei Nächten alleine sein konnten und dabei sogar (Luxus pur) vom Atem einer daneben angebunden Kuh gewärmt wurden.

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Weitere kleinere Siedlungen, niedrige Gänge, Wohnungen, Kirchen, Leitern, usw. können wir auf unseren Wanderungen in den wilden und dramatisch schönen Tälern rund um Ilhara (schaut besonders die Fotos vom Kloster in Selime an), Güzelyurt und Göreme selber erforschen und erklettern.

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Wir machen auch die Bekanntschaft mit verschiedenen spannenden Leuten: Zuerst essen wir mit einem türkisch (sie: für Unicef tätige Politologin)-deutschen (er: Versicherer) Paar zu Abend. Richtig traditionell (der Preis ausgenommen) sitzen wir auf Kissen am Boden und geniessen eine ausgezeichnete Küche. Endlich haben wir nun die Möglichkeit jemandem auch komplexere (oder politisch heikle) Fragen zur Lage und Entwicklung in der Türkei zu stellen. Wir lassen uns nicht zweimal bitten. Auf dem Campingplatz treffen wir dann ein nettes französisches Paar mit dem wir einige Wanderungen unternehmen.

Zum krönenden Abschluss gönnen wir uns in Ürgüp ein Hammam mit Schaummassage. Zuerst duschen wir, dann gehen wir in die Sauna und nach der anschliessenden Ruhezeit auf heissen Marmorplatten wird uns der Schmutz in grossen Fasern vom Leib gerieben. Beeindruckend, um nicht zu sagen erschreckend, was sich da angesammelt hat, und so selten duschen wir nun auch wieder nicht;) Anschliessend werden wir mit weichem Schaum aber festem Griff massiert. Nachdem die Schmerzen in den bearbeiteten Muskeln ein bisschen abgeklungen sind, spüren wir die wohltuende Wirkung und schlafen ganz entspannt ein.

 

Weitere Informationen

http://knol.google.com/k/christian-schmid/derinkuyu/1za62y08wmloj/4#

http://knol.google.com/k/christian-schmid/-/1za62y08wmloj/9#edit