Gastfreundlicher Empfang in Damaskus

18 02 2009

Wir sind mit Petrolio problemlos, wenn auch teurer als erwartet, in Syrien eingereist und leben nun während der nächsten fünf Wochen in einer kleinen Wohnung mitten in der Altstadt gleich hinter der Omayaden-Moschee.

 

Um unsere Sicherheit steht es bestens: In der zweiten Nacht - damals noch im Sidi „auf der Strasse“ - nimmt sich nämlich der syrische Staat diesem, uns zwar noch nicht negativ aufgefallenen, scheinbar ernsten Problem an. Um 18h polt… ehm, klopft es an die Tür unseres mobilen Zuhauses und wir werden ohne grosse Einleitung nach unseren Pässen gefragt. Nachdem wir dem Antragsteller aufgrund dürftiger eigener Ausweispapiere zuerst nur unsere IDs geben, werden wir - überzeugt von seiner Ordnungsfunktion nur durch die Uniform des Begleiters - zur weiteren Abklärung und zu einem Kaffee auf den naheliegenden Posten gebeten. Trotz erahnbar begrenztem Abklärungserfolg - keine gemeinsame Sprache - ist danach scheinbar alles „no problem“ und wir gehen beruhigt schlafen. 

Offensichtlich findet dann anschliessend die nächste Hierarchiestufe, dass wir allzu dürftig empfangen worden seien und unser Schutz mit den wenigen Informationen nicht garantiert werden könne. Folgerichtig werden wir um 22.30 Uhr von mind. 10 Polizisten neuerlich zu einem Tee „eingeladen“ und fühlen uns nun auch gebührend ernst genommen. Die liebenswerten Beamten (nun mit Dolmetscher) nehmen sich anschliessend mindestens eine Stunde Zeit, um nach einem ausgeklügelten Fragekatalog unser Schutzbedürftigkeitsprofil zu erstellen. Wir sind tief beeindruckt von der Professionalität, mit der sie allerlei Informationen erfassen, um uns den Aufenthalt in Syrien so angenehm wie möglich zu gestalten. Wer hätte z. B. gedacht, dass die Tatsache, dass wir in Aqaba keinen Bootsausflug unternommen haben, für unsere Sicherheit hier in Damaskus relevant ist? Ihr seht, für uns ist bestens gesorgt und die so erfahrende Aufmerksamkeit erfüllt uns mit aufwühlender Dankbarkeit gegenüber der hiesigen Regierung.



Damaskus

15 12 2008

Ironie der Geschichte: In einem der weltweit am längsten permanent besiedelten Orte, hausen wir nun seid beinahe zwanzig Tagen in unserem Sidi. Nicht dass uns das nicht gefällt, aber es ist uns bewusst, dass wir damit dem zivilisatorischen Anspruch der Stadt kaum gerecht werden. Auf der anderen Seite wissen wir, dass in der hier herrschenden Kälte, die für die sommerliche Hitze gebauten Häuser keineswegs komfortabler sind. Dies umso mehr, als unser Sidi uns seit kurzem dank einer neuen Batterie auch wieder Licht und Wärme spendet. Die alte Batterie war hinüber und wir sassen ein paar Tage, trotz ausgedehnten Batterieaufladeausfahrten, im Dunkeln und Kalten und konnten diesen Zustand, infolge des Eid al-Adha (Ende des Hadj) und dem damit zusammenhängenden Totalstillstand der ansonsten quirligen Stadt, nicht ändern.

Anyway, wir können in der Zwischenzeit das arabische Alphabet entziffern und aussprechen, und weben ansonsten fleissig an unserem Netzwerk, das uns neben netten Menschen mit vielen Tipps und Tricks eines schönen Februar- oder Märztages zu einer möglichst spannenden Arbeitstelle, sowie vielleicht trotz Sidi zu einem erschwinglichen Zimmer verhelfen soll. Wenn wir nur wüssten, wie wir es dem Sidi sagen sollen, dass wir auf seine Dienste vorübergehend zu verzichten gedenken. Wir suchen noch die nach Möglichkeit diplomatischmitfühlendoffenschonendsowiegleichzeitigwerschätzungausdrückenden Worte. Ihr seht, nicht ganz einfach.

Bis zu dieser schwierigen Ankündigung werden wir aber in ein paar Tagen nach Jordanien fahren, dort liebe Freunde und Familie treffen und können uns dann die genaue Formulierung noch überlegen.

Noch etwas zur Stadt. Damaskus ist überraschend modern und in einigen Quartieren sogar westlicher als der Westen. Designermenschen (Frauen häufig mit Designerkopftüchern) fahren in Designerlimousinen von ihren Designerboutiquen zu einem Designer LatteMachiatto in einem Designercafé, das ein biederes Starbucks auch und gerade bezüglich Preisen erblassen lässt.

Gleichzeitig gibt es da die grosse historische Altstadt mit kleinen Gassen und einem grossen, quirligen, mal wohlriechenden mal stinkenden Basar, wo man viel Zeit hat und alles finden und verhandeln kann. Allerdings entspricht der Basar nicht ganz der „orientalischen“, verwinkelten und farbenfrohen Vorstellung, den z. B. Marokkokenner so schwärmen. Das Wirrwarr ist zumindest teilweise autogängig, rechtwinklig und ausgeschildert, und die Läden sind zum Teil relativ grosszügig und modern beleuchtet. Fährt man weiter weg vom Zentrum kommt man nach einer normal-grauen Übergangsphase relativ schnell von der Designer- in eine schmutzige und sehr arme Welt. Hier leben diejenigen, die weder die „richtigen“ Beziehungen, noch das „richtige“ Business (was meistens wohl einher geht) haben.

Wie schon teilweise in der Türkei ist das gleichzeitige Neben- und Miteinander von so völlig verschiedenen Milieux verblüffend und macht wohl den Reiz der Stadt aus, dem wir uns nicht entziehen können. Wir können uns denn auch gut vorstellen hier einige Monate Arabisch zu lernen und - Inschallah - zu arbeiten.