Zagreb tanzt

20 07 2009

Es ist vor allem heiss hier in Zagreb. 33°C+ in den Häusergassen, der Asphalt dampft, die Menschen werden von der Sonne geröstet. Wir schleppen uns von Park zu Park, mit Unterbrüchen in schattigen Strassencafés. Dafür ist es selbst abends um 23h kurzröckig und -ärmelig noch angenehm warm um den Tänzerinnen und Tänzern auf der Freilichtbühne zuzuschauen. In Kroatiens Hauptstadt wird dieses Wochenende das Volksmusikfestival gefeiert. Junge Mädchen in wallenden Röcken und umgebundener Schürze wirbeln über die Bühne, Burschen in traditionellen Kostümen stampfen, dass der Boden zittert. Dazu fiddeln die Musikern, dass es einem schwindlig wird. Immer wieder halten sich Frauen und Männer an den Händen und tanzen einen Kreistanz. Zwar juckt es uns beim Anblick der ‘Ringelreihe’ auch in den Beinen doch tanzt es uns eher im Kopf: Wir haben nämlich heute zum ersten Mal seit mindestens zweihundertfünfudzwanzig Tagen ‘ein Gläsli Rote’ getrunken. Es ist weder Beethovens Neunte noch Wagners Holländer, die uns in den Ohren sausen, der edle Tropfen Merlot bewirkt eher ein Gemisch aus Dvořáks ungarischen Tänzen, fernen Tangorhythmen unterlegt mit sanftem Drum’n Base und ab und zu einem Klezmer’scher Klarinettenseufzer. Ein echter Tanz der Sinne also!

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Kreistanz, ein verbindendes Element im Balkan, internationales Volksmusikfestival in Zagreb

Internationales Volksmusikfestival in Zagreb

Exotisches aus Asien am internationalen Volksmusikfestival in Zagreb

Wo ist kediabyssinia?

Begeisterte Zuschauer tanzen mit am internationalen Volksmusikfestival in Zagreb - wer sucht, der findet: Wo ist kediabyssinia?



Belgrad hat viele Gesichter

19 07 2009

That's Belgrade! Auf Belgrads Festung Kalemegdan

Tock, tock, tock, tock. Der Blick bleibt an den Pfennigabsätzen hängen, die dieses Geräusch auf den Pflastersteinen der Belgrader Altstadt verursachen. Er wandert höher den bleistiftschmalen, zehn Zentimeter Absatz hinauf, den langen Beinen entlang, zum kurzen Rock, es folgen ein enges Top, das tief blicken lässt, ein verführerisch geschminkter Mund, Filmstaraugenwimpern und schliesslich eine trendy Frisur. Das neureiche Wesen schwebt, ein Gucci-Täschchen in der einen, das teuere Handy in der anderen Hand in die nächste Modeboutique und trinkt anschliessend mit seinen Artgenossinnen einen Café-latte für 340 Dinar (5.50 CHF) in einem der unzähligen Strassencafés.

Es wird einem sogar ausgepackt, das eben gekaufte Erdbeercornet. Von einer Mittsechzigern mit schütterem, an den Ansätzen ergrautem Haar, die hinter einem der vielen etwas zu dunkeltürkis geratenen Nestléständen ihre magere Rente aufbessert. Doch häufig sitzen die älteren Damen und Herren bloss da und warten auf Kundschaft. Die schicken Belgrader und Belgraderinnen leisten sich währenddessen ein echtes Kugeleis vom Mövenpickstand gleich nebenan, zumindest diejenigen, die auf der Geldseite des Lebens stehen.



Die teuerste Fahrzeugkolonne ever …

14 07 2009

… haben wir in Bulgarien gesehen. Während 400km (entspricht in etwa der direkten Transitstrecke von Serbien in die Türkei) kreuzen wir eine fast lückenlose Karawane von Ferienreisenden, die ihrem Traumstrand oder ihrer Heimatstadt - die Mehrzahl sind wahrscheinlich Auslandtürken - entgegenbrausen.

Nun, wer’s in der Ferne zu etwas gebracht hat, will das zu Hause verständlicherweise auch zeigen und was eignet sich da wohl am Besten? In diesem Fall hat das Beste offensichtlich gleich zwei Namen und die heissen, richtig: Mercedes und BMW. Auch die einheimischen Bulgaren - zumindest diejenigen auf der Gewinnerseite der korrupten Wirtschaft - tragen das ihre zu diesem Eindruck bei. Zusammenfassend, kann man sagen: ob Zürich oder Zug, wir haben noch nie eine solche Konzentration von Luxuswagen gesehen, von Wirtschaftskrise und hohen Benzinpreisen keine Spur.

Diese Wagen sind natürlich für deutsche Autobahngeschwindikgeiten ausgelegt und fühlen sich in Bulgarien eher unterfordert. Radarbewaffnete Polizisten stehen alle paar Kilometer am Strassenrand und lauern auf naive, Eurobestückte Touristen, die fälschlicherweise meinen, die 40er Tafel auf der Schnellstrasse ignorieren zu können. Die Disziplin der Verkehrsteilnehmer ist tatsächlich beeindruckend - vor allem, wenn man sich türkische oder iranische Verhältnisse gewöhnt ist. Man sieht nicht alle Tage eine lange Kolonne von PS-strotzenden Limousinen auf freier Strasse mit 40km/h dahinschleichen.



Anne, Anne!

13 07 2009

schreit es von allen Seiten. Im Wasser planschende Kinder, im Sand buddelnde Kinder, alle wollen die Aufmerksamkeit von Anne. Nirgends wird nach Nur, Gülgen oder Ajda gerufen. Anne, der wohl häufigste Frauenname der Türkei? Dass sämtliche Mütter, Freundinnen, Schwestern oder Tanten Anne heissen, scheint mir doch eher unwahrscheinlich. Anne bedeutet auf Türkisch schlicht Mama. Tja, so simple ist’s.



Kara deniz

12 07 2009

Weil wir, den an der südlichen Schwesterküste einfallenden Touristenhorden ausweichen, schnell nach Istanbul kommen und neue Wege gehen wollen, fahren wir dieses Mal dem Schwarzen Meer - dem kara deniz - entlang.

Was wie ein Müssen, wie eine erzwungene Wahl tönt, erweist sich als Glückstreffer. Das Meer macht seinem Namen keine Ehre und präsentiert sich uns in schönen Blautönen. Und nicht nur das. Während tausender Kurven, vollständige Absenz von flachen und geraden Strassenabschnitten, entdecken wir eine unerschlossene, wunderbar wilde und gebirgige Küste mit unzähligen - leider auch für uns - unzugänglichen, versteckten Buchten. Wir konnten an einigen schönen Stränden übernachten und haben die Zeit des Auspannens nach der langen Reise sehr genossen.

Alles wunderbar? Nun, der industrielle und über grosse Strecken abstossend zersiedelte und verbaute Abschnitt von Trabzon bis Samsun soll nicht verschwiegen werden, aber der erste Eindruck haftet wie man sagt am Besten und soll auch der Leserschaft in Erinnerung bleiben. Wir können die Küste auf jeden Fall empfehlen.