Die Türkei - das Stauseenland

20 04 2009

Der Atatürk-Staudamm

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Der 1992 in Betrieb genommene Atatürkstaudamm ist wohl eines der prestigeträchtigsten sogenannten ‘Entwicklungsprojekte’ der Türkei. Mit einer Fläche 1.5 mal so gross wie der Bodensee, ist er der grösste, energetisch bedeutsamste - und ökologisch verheerendste? - der insgesamt 22 Staudämme des Südostanatolien-Projektes (GAP). Durch das GAP soll das Wasser des Euphrats  und Tigris wirtschaftlich genutzt werden. 22 Milliarden US$ sind für die Realisierung des GAP bis 2010 veranschlagt, über 90′000 Menschen bisher umgesiedelt worden. Dank zwei riesigen Bewässerungstunnels bei Şanliurfa, welche die Hälfte des Euphratwassers abzweigen, wächst jetzt in der Wüste von Harran Baumwolle.

Eines der Dörfer, welches ökonomisch höher liegenden Zielen weichen musste, haben wir besucht. Zwar hat die Beschreibung  ‘im Euphrat versunken’ etwas mystisches an sich, doch täuscht dieser spezielle Reiz nicht über die Tragik des Ereignisses hinweg. Viele der vom Wasser verschonten, edlen, alten Sandsteinhäuser Eski (Altes) Halfetis sind dem Zahn der Zeit preisgegeben. Die meisten jungen Menschen sind nach Yeni (Neues) Halfeti ausgewandert, der türkische Staat hat ihnen dort, auf einer Hügelkuppe, ein zwar modernes aber seelenloses zu Hause hingeklotzt. Wenigstens sind sie nun näher an der Autobahn…

Ein weiteres dem gleichen Schicksal harrendes Dorf liegt am Tigris. Sein Name ist Hasankeyf und wirft sprichwörtlich Wellen. Nachdem sich die Bevölkerung der ganzen Region solidarisiert und mobilisiert hat, hat einer der grossen Geldgeber - mitbeteiligt sind Deutschland, Österreich und leider auch die Schweiz - kalte Füsse gekriegt und sich zurückgezogen. Mit rauem Unterton zeigen die Leute auf die Lautsprecher unter der Spitze des Minaretts, bis dort würde das Wasser steigen und das gesamte Dorf und umliegende archäologisch wertvolle Stätten unter sich ‘ertränken’. Dort drüben am Berg, hoch über dem jetzigen Flusslauf, läge ihr neues zu Hause. Noch ist es nicht soweit, aber es scheint als sei das Projekt bloss aufgeschoben, nicht aufgehoben.

Hasankeyf, ein zukünftiges Halfeti?

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Diyarbakir, Hauptstadt der Kurden

18 04 2009

Fahren, fahren, fahren über die weiten, grünen Ebenen zwischen Şanliurfa und Diyarbakir

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Stundenlang gleiten wir über endlos weite, erst fruchtbare dann immer karger werdende, grüne Ebenen, begleitet von einem parallel verlaufenden schneebedeckten Bergband im Norden. Schliesslich erreichen wir Diyarbakir, oder zumindest dessen Ortsschild: nüfüs 1.5 Millionen. Anfangs queren wir bloss junge Getreidefelder, dann tauchen die ersten Hochhäuser auf. Im Grunde genommen schwimmen wir in einem Strom von Autos durch ein nicht enden wollendes, buntes Meer von Hochhausretortensiedlungen. Irgendwann, interessanterweise eher abseits am heutigen Stadtrand, nicht im Stadtzentrum, erblicken wir die imposante Stadtmauer. Aus schwarzem Basalt massiv gebaut, umschliesst sie die Altstadt weitgehend intakt über sechs Kilometer. Das düstere Bild der dunkeln Mauern in der Abenddämmerung wird im Stadtkern von mehreren dem Verfall preisgegebenen Häusern, und den engen und schlecht beleuchteten Strassen noch verstärkt. Diese Gegend scheint noch immer stark vom Bürgerkrieg der 1990er Jahre gezeichnet. Vor dem nüchternen *****-Hotel, welches wir als Standplatz auserkoren haben, wird dieser düstere Eindruck regelrecht hinweggegrüsst; neugierig und äusserst herzlich werden wir - diesmal mit Cola statt çay - empfangen.

Ebenso fröhlich-freundlich geht es am nächsten Tag weiter: Gemeinsam mit zwei wachen, sympathischen Kurden streifen wir durch verwinkelte Gassen, entdecken christliche Kirchen hinter unscheinbaren Portalen und bestaunen die der Omayadenmoschee in Damaskus nachempfundene Ulu Cami. Unsere neuen Freunde sind sehr offen und erzählen über sich und ihre Stadt. Der Bürgerkrieg hat nicht nur im Stadtbild Spuren hinterlassen sondern scheint auch in den Köpfen der Menschen noch sehr präsent. Die Kluft bzgl. sozioökonomischen Chancen zwischen türkischen und kurdischen Türken ist bloss wenig kleiner geworden und immer noch bedeutend. Ein Fortschritt für die Kurden sei zwar aufgrund des hohen Druckes seitens der EU auszumachen, die Dinge bewegten sich aber langsamer als eine Schildkröte. Doch auch eine Schildkröte erreicht einmal ihr Ziel, so hoffen wir zumindest.

Wir verlassen Diyarbakir mit dem Eindruck einer Stadt, die ihren Stolz in den mächtigen, schwarzen Mauern bewahrt hat, deren Lebensfreude aber über die Stadtmauergrenzen hinausquillt - in Form vieler, bunter, von tausenden von Menschen bewohnter, gen Himmel ragender Häuser.

Diyarbakirs imposante Stadtmauer

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Einfahrt in die Hauptstadt der Kurden

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Das ist noch echte Stadtrivalität

13 04 2009

Nach dem kurzen Umfahren von Gaziantep und Besuch des sehr empfehlenswerten Schanliurfa wollen wir euch die Geschichte der Namen dieser Städte im türkischen Südosten nicht vorenthalten:

Als Antep 1973 im Gedenken an die Helden des türkischen Unabhängigkeitskrieges seinen Namen zu Gaziantep (heroisches Antep) wechselte, empfanden die stolzen Einwohner von Urfa verständlicherweise einen relativen Bedeutungsverlust, den sie nicht einfach hinzunehmen gedachten. Angesichts fehlender Revolutionshelden besannen sie sich auf ihre glorreiche Geschichte als Geburts- und Wundervollbringungsort Abrahams und tauften ihre Stadt 1984 kurzerhand auf Schanliurfa (glorreiches Urfa) um. Nun stehen sie mit Gaziantep wieder auf einer Stufe.

In Urfa bestaunen wir die unglaublich vielen Karpfen in den Teichen des Abraham-Wunderkomplexes und geniessen das schon fast südländische Flanieren in schönen fussgänger-(und nicht auto)optimierten Strassen und Plätzen. Etwas, das es in den erlebten arabischen Städten weniger gibt. Dort sind die Menschen zwar häufig draussen auf der Strasse, aber eher um Geschäfte zu treiben. Leben tut man hinter den Mauern des Hauses.

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Vom Tourismus unverdorben

12 04 2009

In Halfeti (siehe „Reiseroute“) haben wir eine wunderschöne Wanderung inmitten blühender Natur, entlang des Euphrats zur Burgruine Rumkale unternommen. Das Dorf selber ist halbwegs im 2000 gefluteten Stausee versunken, was ihm eine sehr spezielle Atmosphäre verleiht und die Leute verständlicherweise gegenüber dem Fortschritt in Staudammform etwas misstrauisch gemacht hat.

Am Eindrücklichsten ist jedoch die Freundlichkeit und Gastfreundschaft der Leute; man könnte meinen, es hätte sich noch niemals ein Tourist hierhin verirrt… Auf unserer Wanderung schliesst sich uns spontan ein junger Türke an, erklärt uns alles (wir sind intensiv am Reanimieren unserer verschollen geglaubten Türkischkenntnisse) und lädt uns dann zum Tee ein. Auf dem Rückweg ins Dorf werden wir weiterhin alle paar Häuser zum Tee eingeladen, die Leute gehen uns voraus, um sicher zu sein, dass wir die nächste Abzweigung nicht verpassen, rufen uns freundliche Grüsse zu, etc. etc. Dies alles ohne jede Geschäftstüchtigkeit oder Aufdringlichkeit.

Auf unserer Reise sind wir schon vielen netten Menschen begegnet und oft zum Tee eingeladen worden, aber selten haben wir uns von einem ganzen Ort so willkommen gefühlt.

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Des Rätsels Lösung

4 12 2008

Nach der zeitaufwändigen Sichtung und Bewertung verkünden wir hiermit das Ende des komplexen, mehrstufigen Evaluationsprozesses. Es ist uns eine Ehre bei dieser Gelegenheit auch gleich die Gewinnerin bekannt zu geben. Vorher ist es der Jury jedoch ein aufrichtiges Bedürfnis allen Autorinnen und Autoren zu danken und lobend festzustellen, dass sich die Beiträge sowohl bezüglich Originalität wie auch Kreativität und Überwindung der Partizipationshemmschwelle auf einem durchwegs sehr hohen Niveau befinden. Unter allen eingesendeten Beiträgen hat jedoch nur einer die tatsächlichen Ereignisse, zwar ein bisschen indirekt aber dennoch absolut korrekt, beschrieben. Die Jury ist darüber hinaus äusserst beeindruckt von der einzigartigen Prägnanz und Kürze der richtigen Lösung. Genau sieben Wörter bringen die Sache auf den Punkt. Herzliche Gratulation an T. Schild aus Thun! Folgender Preis wird Sie - inshalla - in Kürze erreichen.

 

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Als Sonderauszeichnung vergeben wir darüber hinaus an sämtliche Beitragende die ehrenhafte ‘Auszeichnung zur Förderung aktiven Bloglebens’ ganz im Sinne des deliberativen Bloggens nach Jürgen Habermas.

 

DIE LÖSUNG: Unsere beiden unabhängigen Bremssysteme - Handbremse und Fusspedal - sind und waren vollkommen intakt. Der Grund des sich stetig veringernden Abstandes zwischen uns und dem vorderen Fahrzeug lag vielmehr in einer visuellen Täuschung: NICHT WIR sind auf das vordere Auto zugerollt sondern DAS VORDERE AUTO ist in Richtung Stossstange unseres komplett zum Stillstand gekommenen Sidis ZURÜCK GEROLLT (hat wohl seine Handbremse nicht gezogen gehabt) und dies war eben auch durch noch so kräftigen Druck auf UNSER Bremspedal nicht zu verhindern. Trotz aufgrund der Jahreszeit fehlender Hitze beschreibt also der Ausdruck ‘Fata Morgana’ das Geschehene völlig korrekt.