Anne, Anne!

13 07 2009

schreit es von allen Seiten. Im Wasser planschende Kinder, im Sand buddelnde Kinder, alle wollen die Aufmerksamkeit von Anne. Nirgends wird nach Nur, Gülgen oder Ajda gerufen. Anne, der wohl häufigste Frauenname der Türkei? Dass sämtliche Mütter, Freundinnen, Schwestern oder Tanten Anne heissen, scheint mir doch eher unwahrscheinlich. Anne bedeutet auf Türkisch schlicht Mama. Tja, so simple ist’s.



Kara deniz

12 07 2009

Weil wir, den an der südlichen Schwesterküste einfallenden Touristenhorden ausweichen, schnell nach Istanbul kommen und neue Wege gehen wollen, fahren wir dieses Mal dem Schwarzen Meer - dem kara deniz - entlang.

Was wie ein Müssen, wie eine erzwungene Wahl tönt, erweist sich als Glückstreffer. Das Meer macht seinem Namen keine Ehre und präsentiert sich uns in schönen Blautönen. Und nicht nur das. Während tausender Kurven, vollständige Absenz von flachen und geraden Strassenabschnitten, entdecken wir eine unerschlossene, wunderbar wilde und gebirgige Küste mit unzähligen - leider auch für uns - unzugänglichen, versteckten Buchten. Wir konnten an einigen schönen Stränden übernachten und haben die Zeit des Auspannens nach der langen Reise sehr genossen.

Alles wunderbar? Nun, der industrielle und über grosse Strecken abstossend zersiedelte und verbaute Abschnitt von Trabzon bis Samsun soll nicht verschwiegen werden, aber der erste Eindruck haftet wie man sagt am Besten und soll auch der Leserschaft in Erinnerung bleiben. Wir können die Küste auf jeden Fall empfehlen.



Die Tee- und Werkstattstory

23 04 2009

Nachfolgend wird das Fetten der Vorderachse unseres Sidis anhand der dazu benötigten Teetassen nacherzählt. Das pièce de résistance ist jeweils, dass man nicht nur fetten, sondern dazu auch das Auto aufbocken sollte. Während die Notwendigkeit des Fettens von hiesigen Garagisten gut nachvollzogen wird, ist das Verständnis für den Hochhebungswunsch erfahrungsgemäss gering.

Der Tee, inkl. mehrfachen Nachschenkens gehört dazu. Eine schöne Geste, die aber bei x-facher Wiederholung eine gewisse Sättigung hervorrufen kann und angesichts der beachtlichen Zuckermengen zwecks Überlagern des bitteren Geschmackes auch nicht gesund ist.

1. Glässchen Tee: Mercedes-Garage

Naheliegender Anfangspunkt, da der Sidi ja auch den Stern trägt. Ich werde freundlich begrüsst, bekomme einen Tee serviert und erkläre mein Anliegen. Alles kein Problem. Naiv glücklich über die Einfachheit der Ausführung meines Vorhabens sehe ich die Leute geschäftig wirken. Aber halt, halt, so einfach ist es natürlich nicht. Damit aus dieser Geschichte noch was wird, kommen sie nach 5 Minuten mit der Nachricht zurück, dass ihre Fettpresse seit 4 Monaten in Revision sei.

2. Glässchen Tee: Das muss ich bei zwei Garagen ohne Hebemöglichkeiten freundlich ablehnen, weil ich bei gleichbleibendem Rhythmus auch 5h später ohne Fett in den Achsen rumfahren und bei jeder Toilette einen après-Teehalt machen müssste.

3. Glässchen Tee: Endlich, der Sidi ist aufgebockt und das Fett ist reingepresst. Doch, zu früh gefreut: Die altersschwache Pumpe scheitert an einem von sechs zu fettenden Punkten. Weiter geht’s.

4. Glässchen Tee: Eine Nissan-Garage soll’s richten. Nach dem Tee kommt das Auto auf die Hebebühne und mind. 5 gut gelaunte Mechaniker tummeln sich darunter. Nach dem Motto: “Da hat’s ja schon Fett und überhaupt, es fährt ja noch, warum also was machen”, kommt der Sidi wieder runter und ich fahre unter viel Gelächter und mit besten Wünschen aber ohne Fett vondannen.

5. Glässchen Tee: Eine Mitsubishi-Garage ist mein letzter Hoffnungsschimmer. Nach dem Tee wird die Fettpresse unkompliziert angesetzt, tut ihren Dienst und ich habe es - nach ca. fünf Stunden und ebenso vielen Gläsern Tee - endlich geschafft.

Nun sind wir mit leerem Tank (Diesel kostet nur wenige Rappen im Iran) und vorübergehend viel Bargeld (weder Travellers Cheque noch irgendwelche Karten funktionieren im sanktionierten Land) wieder auf (nun gefetteter) Achse.



Velofahrer möcht ich sein…

22 04 2009

In den letzten drei Tagen waren wir mit den beiden Waadtländern Nepalradfahrern Adrien und Jonathan unterwegs. Das heisst allerdings nicht, dass wir wie bei der Tour de France mit dem Auto hinterhergerollt und ab und zu mit frenetischem Geschrei und einer Flasche Wasser nach vorne gerannt wären, um sie abzukühlen. Stattdessen haben wir sie inkl. zahlreichem (Jonathan hat sich unterwegs sogar eine Gitarre gekauft) Gepäck in, und ihre Velos an Sidi(s Hintertür) gepackt und sind spannende drei Tage miteinander - sie ein bisschen schneller und wir ein bisschen enger - zum Van-See gereist. Abkühlung wäre sowieso kaum notwendig gewesen, weil es hier in den Bergen dauerregengraunasskalt ist - wir haben sogar vereinzelte, verspätete Schneeflocken gesehen und auf den Pässen ausgewachsene Schneefelder gestreift.

Das garstige Wetter hat dann auch meine kurzzeitig aufgekommene Velonostalgie etwas relativiert. Im warmen Sidi bestens aufgehoben, kann ich auf den Genuss des Anziehens der kaltklammfeuchten Kleider und das morgendliche Einpacken des schlammnassbraunen Zeltes durchaus verzichten. Um die Befriedigung eine solche Reise mit eigener Kraft zu bewältigen, den Veloreiserhythmus, die gesunde Bewegung und die Langsamkeit der Erfahrung dieser grossen Räume hingegen, beneide ich die beiden sehr!!

dsc05081

V.l.n.r.: Jonathan und Adrien unterwegs nach Kathmandu (davon drei Tage mit uns), Möchtegernvelofahrer “wiewasmeinsch” unterwegs in den Iran, Mireille und Roger unterwegs nach Südostasien

PS: Die zwei Velofahrerpaare haben übrigens je einen Blog, die entsprechenden Links sind neu aufgeschaltet unter ‘Reisende’

Nun sind wir in Van, die Grossstadt am gleichnamigem Grosseee, die nur über hohe Pässe und damit im Winter schlecht erreichbar ist. Statt das grossartige Panorama zu geniessen, müssen wir momentan mit niedrigen Wolkenfronten vorlieb nehmen und einmal mehr unsere Winterkleider bemühen. Das Klima ist wirklich rauh hier, Mitte April schmilzt gerade erst der Schnee weg, von blühenden Wiesen noch keine Spur. Wir bereiten uns so schnell wie möglich auf den Grenzübertritt vor, um rasch in wärmere Gefilde zu kommen. Ev. statten wir dann der Region auf der Heimreise nochmals einen Besuch ab, dann in sommerlicher Atmosphäre.

dsc05135

Unsere Strasse inmitten schneebedeckte Berge am südlichen Ufer des Vansees



Das wohl schönste Postgebäude der Türkei…

21 04 2009

… ist in Mardin in einem wunderschönen, alten, sandsteinfarbenen Haus untergebracht. Vorsicht, die Impressionen könnten einen plötzlichen Karriereänderungswunsch als BriefträgerIn bei der türkischen Post bzw. in fortgeschrittenem Alter einen Ruhestandsitzänderungswunsch nach Südostanatolien ans Licht bringen.

Aufgang in das edle Postgebäude

dsc05046

Blick am Minarett vorbei auf die fruchtbare Ebene Mesopotamiens

dsc05050

Das weite, fruchtbare Land zwischen Euphrat und Tigris, die Berge am Horizont liegen bereits in Syrien

dsc05060

Wer möchte nicht in einem weichen Şef-Sessel hinter einem solch exquisit verzierten Şefbüroeingangsportal sitzen?

dsc05052

Das sandsteinfarbene gelb findet in etwas kräftigerer Tönung Eingang in die Potsverteiltransportmittelbemalung und in die Arbeits- und Sportkleidung.

dsc05049

In der Schweiz würde ein solches Gebäude wohl postwendend von der UBS als Abfindung von Marcel Ospel gekauft. Aber da das Gebäude eben in Mardin steht und die UBS wohl Ple … ehm, kein Geld übrig hat, gehört es jetzt eben der türkischen Post;)