24
06
2009
Nun, da ihr aufgrund der Infosendungen rund um die Uhr bestens über die politischen Ereignisse im Iran informiert seid, wollen wir dieses faszinierende Land gerne noch von einer anderen Seite zeigen. Zwei Monate haben wir das Land drei mal so gross wie Frankreich bereist und dabei Wüsten, fruchtbare Täler, schneebedeckte Berge, das “blaue” Wasser des Persischen Golfes, goldene Kuppeln und kunstvoll gekachelte Minarette, gutes Essen und äusserst herzliche Menschen erlebt. Wir haben über 3′000 Bilder geschossen - einige ausgewählte wollen wir euch nun zeigen. Es folgt ein photografischer Abriss in vier Teilen gespickt mit ein paar Artikeln.
Googlemap
Nordwestiran
Täbris (1.5 Millionen Einwohner), Zentrum der Azeri-türkisch sprechenden Azeris
Nette Touri-Info in Täbris, immer mit auf dem Bild: die gelben Taxis

Bekannter Dichter vor der (ehemals) Blauen Moschee in Täbris

Teheran, 15 Millionen Einwohner
Graffitis an der ehemaligen US-Botschaft in Teheran


Nordteheran und Blick auf das Häusermeer im Süden

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22
06
2009
Wir möchten an dieser Stelle unsere grosse Betroffenheit über die jüngsten Geschehnisse in Iran und im Speziellen in Teheran, ausdrücken. Die massiv gefälschten Wahlen und die uneinsichtige und unversöhnliche Reaktion des Regimes auf die Proteste haben die Bevölkerung äusserst aufgebracht. Viele iranische Bekannte und Freunde berichten uns von sehr eindrücklichen Szenen in verschiedenen grossen Städten. Das Regime hat sich in diesen Tagen eindeutig gegen das Volk, das es vor dreissig Jahren an die Macht gebracht hat, gewendet und damit jegliche Legitimation verloren.
Wir kennen Menschen, die sich bis jetzt mit dem Regime zähneknirschend arrangierten, die momentan nach Teheran reisen um ihrem Unmut unter grossen persönlichen Gefahren Ausdruck zu verleihen. Andere teilen uns mit viel Emotionen ihre Verzweiflung gegenüber diesem äusserst gewaltbereiten Regime und gleichzeitig ihre Entschlossenheit diese Chance auf einen Wechsel zu packen, mit. Ganz unreligiöse Personen stehen nachts auf den Dächern und rufen in Anlehnung an die Revolution 1979 stundenlang Allahu akbar (Gott ist grösser), weil das DER Ruf ist, für den man von den Schlägern im Namen Gottes nicht verhaftet werden kann und der hier doch was ganz anderes bedeuten soll. Ganze Lebenspläne werden umgeschrieben und zum Teil abrupt und brutal beendet.
Neben der Freude auf die Heimkehr sind wir gleichzeit auch traurig das Land in einem solch bewegenden Moment verlassen zu müssen. Nicht dass wir hätten helfen können. Aber der Gedanke, derart freundliche und liebe Menschen in diesem äusserst gefährlichen Schlamassel zurückzulassen, stimmt doch nachdenklich.
Wir wünschen den Demonstranten, die für ihre Rechte einstehen, viel Kraft und Durchhaltevermögen und vor allem, dass die grossen persönlichen und menschlichen Opfer nicht umsonst sind, sondern etwas zum Positiven verändern werden.
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Categories : Iran, Naher Osten, Reise
17
06
2009
Ein Taxifahrer, der zuerst den doppelten Preis möchte (womit er aber bei uns erfolglos ist), sich dann am Ende der Fahrt weigert Geld anzunehmen und schliesslich nach dem erneuten Hinstrecken den Schein einsteckt.
Ein Früchteverkäufer, der sagt, er wolle kein Geld, uns aber den Schein schon aus der Hand nimmt, bevor er fertig abgelehnt hat.
Ein Tankstellenwart, der scheinbar aufs Bezahlen verzichtet, das Geld aber nach dem zweiten Nachfragen kommentarlos einsteckt.
Diese für uns leicht widersprüchlichen Verhaltensweisen sind Teil einer speziellen Höflichkeitskultur. Der iranische Knigge verlangt nun, dass der Verkäufer die Bezahlung erst einmal galant ablehnt. “Es ist nicht der Rede wert.” Wer dann aber mit merssi reagiert und sich verabschiedet, wird konsternierte Perser zurücklassen. Der Vorschlag ist natürlich überhaupt nicht ernst gemeint. Häufig wird das Geld schon nach dem ersten Nachhaken gerne angenommen. Manchmal wird die Floskel auch nur so halb gesagt und das Geld im gleichen Atemzug genommen. Bei eingefleischten Taarofner kann das Ritual aber auch 2-3 hin- und hergehen.
Für uns kann es ziemlich schwierig und zeitraubend sein, herauszufinden ob uns jemand wirklich etwas schenken will oder nicht.
Eine weitere Seite des Taarof ist uns begegnet, als wir in einer Familie in Busheher eingeladen waren und nach einem guten Essen das Teller dankend zurückschoben. Taarof sei das, entgegnete uns der Gastgeber und legte uns noch einmal grosszügig nach.
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Categories : Iran, Naher Osten, Reise
16
06
2009
Salam,
Nur kurz fuer diejenigen Leser, die sich ueber die Lage im Iran - berechtigterweise - Sorgen machen. Nun, wir machen uns auch Sorgen, aber nicht wegen uns.
Wir sind im Moment in kleineren Staedten im Westen Irans und werden in ca. fuenf Tagen die Grenze zur Tuerkei passieren. Hier ist alles ruhig, von den Ereignissen in Teheran bekommen wir nichts mit (die Leute hier wohl infolge der totalen Kommunikationsblokade auch nicht) , ausser der Tatsache, dass die SMS tatsaechlich nicht mehr funktionieren. Viele Bekannte sind allerdings sehr bestuerzt ueber den Ausgang der Wahlen. Die grosse, nun enttaeuschte Hoffnung auf einen Wechsel durch faire Wahlen schafft ein riesiges Protestpotential.
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Categories : Iran, Naher Osten, Reise
13
06
2009
In Esfahan steuern wir wie gewohnt das Lonely Planet “our pick”-Hotel an (sicherer und meistens gratis Parkplatz, saubere Toiletten, teils wi-fi-Zugang und fast stets freundliches Personal erklären diese bewährte Strategie) . Dort versuchen wir der Receptionistin zur erklären, dass wir gerne auf ihrem Parkplatz IM Auto schlafen möchten. Dieser zugegebenermassen etwas ungewöhnliche Wunsch bringt offensichtlich nicht nur das Verständnis der armen Dame an die Grenze, sondern auch die Kompetenzordnung etwas durcheinander und wir müssen uns gedulden, bis der Entscheidungsbefugte telefonisch erreichbar ist.
Nach etwas Bedenkzeit wird uns das Resultat komplizierter administrativer Abläufe (wir werden unter anderem gefragt ob wir ein Diplomaten-Nummerschild haben und müssen dem Portier - zwecks weiterer Berichterstattung - unseren Wagen zeigen) eröffnet. Wir erhalten eine gute und eine schlechte Nachricht:
Nein, wir können nicht im Auto schlafen.
Aber dafür bieten sie uns eine bemerkenswerte Preisreduktion von 82$ für ein Zimmer an.
Seitdem geniessen wir für 10$ (Frühstück und bewachter Parkplatz inbegriffen) ein schönes Zimmer mit Dusche und allem was dazu gehört. Die Gastfreundschaft treibt immer wieder neue ungeahnte Blüten.
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