12
07
2009
Weil wir, den an der südlichen Schwesterküste einfallenden Touristenhorden ausweichen, schnell nach Istanbul kommen und neue Wege gehen wollen, fahren wir dieses Mal dem Schwarzen Meer - dem kara deniz - entlang.
Was wie ein Müssen, wie eine erzwungene Wahl tönt, erweist sich als Glückstreffer. Das Meer macht seinem Namen keine Ehre und präsentiert sich uns in schönen Blautönen. Und nicht nur das. Während tausender Kurven, vollständige Absenz von flachen und geraden Strassenabschnitten, entdecken wir eine unerschlossene, wunderbar wilde und gebirgige Küste mit unzähligen - leider auch für uns - unzugänglichen, versteckten Buchten. Wir konnten an einigen schönen Stränden übernachten und haben die Zeit des Auspannens nach der langen Reise sehr genossen.
Alles wunderbar? Nun, der industrielle und über grosse Strecken abstossend zersiedelte und verbaute Abschnitt von Trabzon bis Samsun soll nicht verschwiegen werden, aber der erste Eindruck haftet wie man sagt am Besten und soll auch der Leserschaft in Erinnerung bleiben. Wir können die Küste auf jeden Fall empfehlen.
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Categories : Naher Osten, Reise, Türkei
4
07
2009

Eingereist bin ich schwarz verhüllt mit strengem Kopftuch und geschlossenen Schuhen. Ausreisen tue ich mit lockerem, bis auf die Oberschenkel reichenden Shirt, offenen Sandalen und einem Kopftuch, das bloss meinen Pferdeschwanz bedeckt. Zu meiner Freude und grossen Erleichterung habe ich festgestellt, dass im Iran trotz Verhüllungsgebot (es ist im Iran gesetzlich festgeschrieben und wird nicht bloss aus dem Koran abgeleitet) vieles möglich ist: So ziert das Kopftuch in Teheran bloss noch die Hinterköpfe gestylter, junger Frauen in engen Manteaux während sich in ländlichen Gegenden schwarze Zelte (tschaddor = Zelt auf Persisch), die mit den Händen zusammengehalten werden, bewegen.
Was steckt hinter der Verhüllungsideologie? Der Hejab - die Pflicht, dass Frauen ihr Haar bedecken und ihre Figur verhüllen sollen - war oft Teil von intensiven Gesprächen mit Einheimischen, Männern wie Frauen. Einige Gedankengänge meines letzten Gesprächspartners, einem jungen, Musevi unterstützenden, gut Englisch sprechenden Studenten auf dem Naksch-e Jahan Platz in Esfahan, möchte ich euch nicht vorenthalten. Man beachte: Mein Gesprächspartner war nicht streng konservativ und widerspiegelt wohl eine Mehrheit der hiesigen Meinungen.


Dass weibliche Rundungen dazu tendieren bei Männern gewisse Hormone freizusetzen, ist in sämtlichen Kulturkreisen bekannt. So habe sich auch der Islam seit Jahrhunderten mit diesem Probl.. eh Phänomen und seinen Konsequenzen auseinandergesetzt und ist - gemäss meinem Gesprächspartner - zu folgendem Schluss gekommen: Grundsätzlich sei der Mann dafür verantwortlich, sich zu zügeln. Da dies aber nicht in allen Situationen möglich sei, habe sich frau sozusagen präventiv vor den männlichen durch plötzlich aufwallende Hormonschübe verursachten Aktionen zu schützen in dem sie sich hinter einem tschaddor verbirgt. Soweit so gut. Als ich ihm von den Marzili-Frauen im Bikini erzähle und den sich artig verhaltenden Schweizer Männern, blickt er wiewasmeinsch erwartungsvoll an. Wie er denn damit umgehe will er arglos und echt interessiert wissen. Dieser lässt den Blick gen Himmel schweifen, lacht dann und meint das sei (meist) ein schöner Anblick und man gewöhne sich daran. Der andere blickt etwas entrückt in die Ferne - und denkt wohl an seine tief verschleierte Ehefrau im Burkini.
Das Männerbild, welches einer solchen Logik zugrunde liegt, gibt mir zu denken. Mir schienen die iranischen Männer bisher ziemlich zivilisiert (abgesehen vom hochreligiösen Qom vielleicht, wo sie mich trotz korrekt islamischer Kleidung (Kopftuch und Po bedeckendem Oberteil) angeguckt haben als wäre ich halb nackt). Ansonsten schlage ich vor, dass die Frauen per sofort selbst über ihre Kleidung entscheiden dürfen und stattdessen eine Sonnenbrilletragepflicht für Männer eingeführt wird. Je triebhafter der Charakter, desto schwärzer sollen die Gläser sein.


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Categories : Iran, Naher Osten, Reise
3
07
2009
Khorramabad (Einwohner, m.ü.M.), Provinzstadt sondergleichen
Kermanshah (Einwohner, m.ü.M.), rühmt sich einiger Reliefs wegen
Iranisch-irakische Grenzstrecke (0 Einwohner, bis zu 2000 m.ü.M.)
Hamedan (Einwohner, m.ü.M.), mit dem Pedalo in der nahen Ali Sadr Grotte unterwegs
Orumyie
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Categories : Iran, Naher Osten, Reise
2
07
2009
Sollen wir, sollen wir nicht, sollen wir, sollen wir nicht… wir wollen. Wir nehmen die 1′000 Kilometer mehr auf uns - was ist das schon auf geschätzte 30′000 Reisekilometer (wer fleissig Blog liest weiss 1′000km = 1′000x 30Rp = 6′000 Fladenbrote (aber wir mögen eben doch lieber das dunkle, harte Brot) und gute vier Tage Fahrt) - und machen uns auf gen Osten, nach Kerman. Es ist allerdings nicht die traditionsreiche Handelsstadt mit ihrem sympathischen Basar, welche uns lockt, obwohl wir beide sehr angetan sind von der Kompaktheit und Grazilität des dortigen traditionellen ‘business-Viertels’. Auch nicht das playmobilartige Lehmschloss von Rayen.
Die Wüste ruft, wir wollen die Kaluts sehen, die Dasht-e (Wüste) Lut (Kaluts).
Die Reise hat sich gelohnt. Die hohen, schiefen Sandtürme waren einfach spektakulär, sosehr, dass wir sogar einen extra Nachmittag im Sand bei gut 40° im Schatten im Sidi zugebracht haben. Einen weiteren Sonnenunter- und Sonnenaufgang in der weiten, ewigen Stille, welch ein Geschenk. Seht selbst:
Die Dasht-e Lut bei Sonnenaufgang


Freiheit pur


Spaziergang in der Dasht-e Lut


Durst in der Dasht-e Lut


Ein Salzsee und Salzfluss in der Dasht-e Lut


Abendstimmung in der Dasht-e Lut


Unser Nachtlager in der Durst in der Dasht-e Lut. Nein, wir haben nicht plötzlich Auto gewechselt. Der silbrige Landrover gehört unserem Wüstenkumpanen Lutz, ein Reisender auf dem Weg


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Categories : Iran, Naher Osten, Reise
1
07
2009
In Wüstenstädten ist nicht bloss die Versorgung mit frischer Luft sondern auch diejenige mit kühlendem Nass von grosser Bedeutung. Die Perser haben sich da etwas ganz besonderes ausgedacht: 300′000 grosse und kleine Qanats ziehen sich von den umliegenden Bergen wie Maulwurfsgräben durch die Erde in die Ebenen. Auf der Oberfläche zeugen alleine Entlüftungs- und Unterhaltungslöcher alle 10-15 Meter, grossen Maulwurfshügeln nicht unähnlich, von der Existenz der lebensspendenden, mensch-gemachten Adern. Die Provinz Yazd alleine werde von 50′000 solchen unterirdischen Wasserkanälen versorgt. In einen dieser Kanäle sind wir hinuntergestiegen.
Plötzlich, inmitten der Wüste, hören wir Wasser plätschern und fühlen das kühle Nass zwischen unseren Zehen. Mit einer Taschenlampe bewaffnet, teils tief gebückt teils aufrecht gehend, tasten wir uns im ca 20 Zentimeter tiefen, unterirdischen Bächlein vor. Welche Arbeit hinter diesem Versorgungssystem und jedem einzelnen dieser Qanats steckt! Noch heute werden sie regelmässig unterhalten, doch lässt die Regierung nadisna moderne, dicke Wasserrohre verlegen, welche den gleichen Zweck erfüllen doch längst nicht so touristogen sind.

Spaziergang in einem Qanat um Yazd
Ob alt oder modern, solange es auch in den Bergen nicht/kaum regnet und vom Grundwasser gespiesene Quellen aufgrund des sich senkenden Grundwasserspiegels austrocknen, bleibt es schwierig mit der Wasserversorgung. Grundwasser wird aus immer tieferen Schichten abgepumpt. So auch dieses Jahr.
In Esfahan blieb der Zayandeh Fluss ohne Wasser. Und ohne Wasser sind die dortigen bekannten Brücken leider bloss halb so fotogen… - was allerdings das kleinste Problem der Geschichte ist.

Die Kahju-Brücke in Esfahan über den Zayandeh Fluss, dieses Jahr ohne Wasser

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Categories : Iran, Naher Osten, Reise
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