21
07
2009
Wir sind waschechte Ouverländer, und das nicht zu knapp. Stundenlang sind wir die letzten Tage über Land gefahren. In Serbien ganz nach dem Motto ‘Alle Wege führen nach Belgrad’. So dachten wir zumindest nach unserer ersten Erfahrung vor elf Monaten, wo an jeder kleinsten Kreuzung an der Ost-West-Transitstrasse ein Schild die Richtung der Hauptstadt wies. Wir wähnten uns fast in Frankreich. Nun, auf dem Weg von Südosten nach Nordwesten hätten wir uns beinahe zigmal verfahren, so spärlich wird jeweils über das nächste Dorf hinweg ausgeschildert. Wer fährt schon Nebenstrassen, wenn Belgrad von Niš nahe der bulgarischen Grenze für lächerliche 22.- € bequem in drei Autostunden erreichbar ist? Nebst alten Männlein auf klapprigen Rädern auch ein weisser Mercedescampingbus mit Schweizer Kennzeichen. Um unser Tagesbudget nicht dem Asphalt zu opfern, kurven wir einen ganzen Tag auf holprigen Nebenstrassen in die Hauptstadt - und darüber hinaus. Denn auch in Kroatien ist die Autoput ein Luxus und die Schweiz des Balkans (Slowenien) hat ihrer Alpenverwandten nicht bloss die schneebedeckten Mehrtausender gleich sondern auch die Autobahnvignette. Bekanntlich lässt sich auch die benachbarte Bananenrepublik bzgl. Autobahngebühren nicht lumpen. So schnell wird unsere ouverländer-Abenteuer also nicht beendet sein - wir sind ganz glücklich darüber und entdecken dabei das Hinterländ.
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Categories : Europa, Kroatien, Reise, Serbien, Slowenien
20
07
2009
Es ist vor allem heiss hier in Zagreb. 33°C+ in den Häusergassen, der Asphalt dampft, die Menschen werden von der Sonne geröstet. Wir schleppen uns von Park zu Park, mit Unterbrüchen in schattigen Strassencafés. Dafür ist es selbst abends um 23h kurzröckig und -ärmelig noch angenehm warm um den Tänzerinnen und Tänzern auf der Freilichtbühne zuzuschauen. In Kroatiens Hauptstadt wird dieses Wochenende das Volksmusikfestival gefeiert. Junge Mädchen in wallenden Röcken und umgebundener Schürze wirbeln über die Bühne, Burschen in traditionellen Kostümen stampfen, dass der Boden zittert. Dazu fiddeln die Musikern, dass es einem schwindlig wird. Immer wieder halten sich Frauen und Männer an den Händen und tanzen einen Kreistanz. Zwar juckt es uns beim Anblick der ‘Ringelreihe’ auch in den Beinen doch tanzt es uns eher im Kopf: Wir haben nämlich heute zum ersten Mal seit mindestens zweihundertfünfudzwanzig Tagen ‘ein Gläsli Rote’ getrunken. Es ist weder Beethovens Neunte noch Wagners Holländer, die uns in den Ohren sausen, der edle Tropfen Merlot bewirkt eher ein Gemisch aus Dvořáks ungarischen Tänzen, fernen Tangorhythmen unterlegt mit sanftem Drum’n Base und ab und zu einem Klezmer’scher Klarinettenseufzer. Ein echter Tanz der Sinne also!




Wo ist kediabyssinia?

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Categories : Europa, Kroatien, Reise
19
07
2009

Tock, tock, tock, tock. Der Blick bleibt an den Pfennigabsätzen hängen, die dieses Geräusch auf den Pflastersteinen der Belgrader Altstadt verursachen. Er wandert höher den bleistiftschmalen, zehn Zentimeter Absatz hinauf, den langen Beinen entlang, zum kurzen Rock, es folgen ein enges Top, das tief blicken lässt, ein verführerisch geschminkter Mund, Filmstaraugenwimpern und schliesslich eine trendy Frisur. Das neureiche Wesen schwebt, ein Gucci-Täschchen in der einen, das teuere Handy in der anderen Hand in die nächste Modeboutique und trinkt anschliessend mit seinen Artgenossinnen einen Café-latte für 340 Dinar (5.50 CHF) in einem der unzähligen Strassencafés.
Es wird einem sogar ausgepackt, das eben gekaufte Erdbeercornet. Von einer Mittsechzigern mit schütterem, an den Ansätzen ergrautem Haar, die hinter einem der vielen etwas zu dunkeltürkis geratenen Nestléständen ihre magere Rente aufbessert. Doch häufig sitzen die älteren Damen und Herren bloss da und warten auf Kundschaft. Die schicken Belgrader und Belgraderinnen leisten sich währenddessen ein echtes Kugeleis vom Mövenpickstand gleich nebenan, zumindest diejenigen, die auf der Geldseite des Lebens stehen.
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Categories : Europa, Reise, Serbien
14
07
2009
… haben wir in Bulgarien gesehen. Während 400km (entspricht in etwa der direkten Transitstrecke von Serbien in die Türkei) kreuzen wir eine fast lückenlose Karawane von Ferienreisenden, die ihrem Traumstrand oder ihrer Heimatstadt - die Mehrzahl sind wahrscheinlich Auslandtürken - entgegenbrausen.
Nun, wer’s in der Ferne zu etwas gebracht hat, will das zu Hause verständlicherweise auch zeigen und was eignet sich da wohl am Besten? In diesem Fall hat das Beste offensichtlich gleich zwei Namen und die heissen, richtig: Mercedes und BMW. Auch die einheimischen Bulgaren - zumindest diejenigen auf der Gewinnerseite der korrupten Wirtschaft - tragen das ihre zu diesem Eindruck bei. Zusammenfassend, kann man sagen: ob Zürich oder Zug, wir haben noch nie eine solche Konzentration von Luxuswagen gesehen, von Wirtschaftskrise und hohen Benzinpreisen keine Spur.
Diese Wagen sind natürlich für deutsche Autobahngeschwindikgeiten ausgelegt und fühlen sich in Bulgarien eher unterfordert. Radarbewaffnete Polizisten stehen alle paar Kilometer am Strassenrand und lauern auf naive, Eurobestückte Touristen, die fälschlicherweise meinen, die 40er Tafel auf der Schnellstrasse ignorieren zu können. Die Disziplin der Verkehrsteilnehmer ist tatsächlich beeindruckend - vor allem, wenn man sich türkische oder iranische Verhältnisse gewöhnt ist. Man sieht nicht alle Tage eine lange Kolonne von PS-strotzenden Limousinen auf freier Strasse mit 40km/h dahinschleichen.
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Categories : Bulgarien, Reise
13
07
2009
schreit es von allen Seiten. Im Wasser planschende Kinder, im Sand buddelnde Kinder, alle wollen die Aufmerksamkeit von Anne. Nirgends wird nach Nur, Gülgen oder Ajda gerufen. Anne, der wohl häufigste Frauenname der Türkei? Dass sämtliche Mütter, Freundinnen, Schwestern oder Tanten Anne heissen, scheint mir doch eher unwahrscheinlich. Anne bedeutet auf Türkisch schlicht Mama. Tja, so simple ist’s.
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Categories : Naher Osten, Reise, Türkei
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