Belgrad hat viele Gesichter
19 07 2009
Tock, tock, tock, tock. Der Blick bleibt an den Pfennigabsätzen hängen, die dieses Geräusch auf den Pflastersteinen der Belgrader Altstadt verursachen. Er wandert höher den bleistiftschmalen, zehn Zentimeter Absatz hinauf, den langen Beinen entlang, zum kurzen Rock, es folgen ein enges Top, das tief blicken lässt, ein verführerisch geschminkter Mund, Filmstaraugenwimpern und schliesslich eine trendy Frisur. Das neureiche Wesen schwebt, ein Gucci-Täschchen in der einen, das teuere Handy in der anderen Hand in die nächste Modeboutique und trinkt anschliessend mit seinen Artgenossinnen einen Café-latte für 340 Dinar (5.50 CHF) in einem der unzähligen Strassencafés.
Es wird einem sogar ausgepackt, das eben gekaufte Erdbeercornet. Von einer Mittsechzigern mit schütterem, an den Ansätzen ergrautem Haar, die hinter einem der vielen etwas zu dunkeltürkis geratenen Nestléständen ihre magere Rente aufbessert. Doch häufig sitzen die älteren Damen und Herren bloss da und warten auf Kundschaft. Die schicken Belgrader und Belgraderinnen leisten sich währenddessen ein echtes Kugeleis vom Mövenpickstand gleich nebenan, zumindest diejenigen, die auf der Geldseite des Lebens stehen.










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