Tschaddor Fantasien

4 07 2009

Hejab ist in Iran Gesetz

Eingereist bin ich schwarz verhüllt mit strengem Kopftuch und geschlossenen Schuhen. Ausreisen tue ich mit lockerem, bis auf die Oberschenkel reichenden Shirt, offenen Sandalen und einem Kopftuch, das bloss meinen Pferdeschwanz bedeckt. Zu meiner Freude und grossen Erleichterung habe ich festgestellt, dass im Iran trotz Verhüllungsgebot (es ist im Iran gesetzlich festgeschrieben und wird nicht bloss aus dem Koran abgeleitet) vieles möglich ist: So ziert das Kopftuch in Teheran bloss noch die Hinterköpfe gestylter, junger Frauen in engen Manteaux während sich in ländlichen Gegenden schwarze Zelte (tschaddor = Zelt auf Persisch), die mit den Händen zusammengehalten werden, bewegen.

Was steckt hinter der Verhüllungsideologie? Der Hejab - die Pflicht, dass Frauen ihr Haar bedecken und ihre Figur verhüllen sollen -  war oft Teil von intensiven Gesprächen mit Einheimischen, Männern wie Frauen. Einige Gedankengänge meines letzten Gesprächspartners, einem jungen, Musevi unterstützenden, gut Englisch sprechenden Studenten auf dem Naksch-e Jahan Platz in Esfahan, möchte ich euch nicht vorenthalten. Man beachte: Mein Gesprächspartner war nicht streng konservativ und widerspiegelt wohl eine Mehrheit der hiesigen Meinungen.

Verschleierte Frauen essen Bastani im Eram Park in Shiraz

Neugierige Studentinnen in Miyaneh

Dass weibliche Rundungen dazu tendieren bei Männern gewisse Hormone freizusetzen, ist in sämtlichen Kulturkreisen bekannt. So habe sich auch der Islam seit Jahrhunderten mit diesem Probl.. eh Phänomen und seinen Konsequenzen auseinandergesetzt und ist - gemäss meinem Gesprächspartner - zu folgendem Schluss gekommen: Grundsätzlich sei der Mann dafür verantwortlich, sich zu zügeln. Da dies aber nicht in allen Situationen möglich sei, habe sich frau sozusagen präventiv vor den männlichen durch plötzlich aufwallende Hormonschübe verursachten Aktionen zu schützen in dem sie sich hinter einem tschaddor verbirgt. Soweit so gut. Als ich ihm von den Marzili-Frauen im Bikini erzähle und den sich artig verhaltenden Schweizer Männern, blickt er wiewasmeinsch erwartungsvoll an. Wie er denn damit umgehe will er arglos und echt interessiert wissen. Dieser lässt den Blick gen Himmel schweifen, lacht dann und meint das sei (meist) ein schöner Anblick und man gewöhne sich daran. Der andere blickt etwas entrückt in die Ferne - und denkt wohl an seine tief verschleierte Ehefrau im Burkini.

Das Männerbild, welches einer solchen Logik zugrunde liegt, gibt mir zu denken. Mir schienen die iranischen Männer bisher ziemlich zivilisiert (abgesehen vom hochreligiösen Qom vielleicht, wo sie mich trotz korrekt islamischer Kleidung (Kopftuch und Po bedeckendem Oberteil) angeguckt haben als wäre ich halb nackt). Ansonsten schlage ich vor, dass die Frauen per sofort selbst über ihre Kleidung entscheiden dürfen und stattdessen eine Sonnenbrilletragepflicht für Männer eingeführt wird. Je triebhafter der Charakter, desto schwärzer sollen die Gläser sein.

dsc07012Schicke Frisen, im Elgoli Park in Täˆbris


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