Was wir vermissen werden

26 07 2009

Freud und Leid liegen nahe beieinander… einige Dinge, die wir bestimmt vermissen werden - bereits vermissen:

  • unsere neugewonnenen Freunde
  • bastani sonnatti (iranisches traditionelles Eis, oft mit Safran und Rosenwasser)
  • die Schoggicroissants des wohl populärsten Croissantsbecks mitten in der Altstadt von Damaskus
  • der Ausruf Farsi baladi? mit leuchtenden Augen und strahlendem Lachen (zu Deutsch: Sprichst du Farsi?)
  • das Gefühl ein Filmstar zu sein: wenn wir vorbeifahren sehen wir grosse Augen, offene Münder und viele winkende Hände; echte und ausgedrückte Freude wildfremder Menschen, einfach weil wir da sind
  • so viel Zeit Bücher und Zeitschriften zu lesen
  • weite, unzersiedelte Landschaften
  • 360 Tage Sonnenschein im Jahr
  • kein Tag ist wie der andere, alles gilt es neu zu entdecken
  • so offene, freundliche und interessierte fremde Menschen
  • die zig farbenfrohen, originellen Fotosujets
  • frische, biologische und günstige Früchte an jeder Ecke: Kirschen, Aprikosen, Mango, Pfirsiche, Orangen, Bananen, Granatäpfel
  • Dörrfrüchte und Nüsse in allen Variationen zu erschwinglichen Preisen als willkommener Snack für zwischendurch
  • das Leben im Sidi
  • Zeit zu verweilen
  • der Schatten farbiger Scheiben auf einem Teppich in der Moschee
  • die blühenden Gärten Persiens
  • die blauen, eleganten Minarette und goldenen Kuppeln der Moscheen im Hintergrund
  • Türktsche tschok as konusch - unsere wenigen aber sich ständig verbessernden Fremdsprachenkenntnisse dieses Sprachraums (zu Deutsch: ich spreche sehr wenig Türkisch)
  • die arabischen und persischen Schriftzeichen
  • die diversen Wüsten
  • heisses aromatisiertes Zuckerwasser - auch Tee genannt, je nach Land in verschiedenen Bitterkeitsgraden
  • frisches Fladenbrot in allen Formen (in der Tat gibt es nicht bloss runde! Eigentlich hätten wir mal Eine Ode an das Brot schreiben sollen, wer weiss, vielleicht kommt das noch…)
  • ein herzlicher Willkommensgruss sobald wir anhalten
  • nicht selber tanken zu müssen (sobald ein Auto einrollt, springt der/die Luko-/Shell-/Akpet-/etc-Mann/Frau herbei und tankt einem voll)
  • leckerer streetfood zu erschwinglichen Preisen an jeder Strassenecke
  • die Freiheit zu gehen oder zu bleiben und sich fünf Minuten später wieder umzuentscheiden
  • Türkische Baklavas
  • Geschwindigkeitslimiten nach Gutdünken / bzw. nach gesundem Menschenverstand
  • Türkische Simit (Sesamkringel mit magischem Goût)
  • Türkische Umlautsvielfalt wie im Wort “müdürlügü”
  • zu reisen


Worauf wir uns freuen

25 07 2009

In ein paar Tagen sind wir zu Hause. Wir freuen uns! - Unter anderem darauf:

  • kein Filmstar-ähnliches Dasein bei jedem Anhalten mehr
  • grüne Natur
  • saftiges Gras anstatt Müllkippe am Strassenrand
  • Picknicken wirklich ab von der Zivilisation
  • keine stinkenden Paykans (iranisches Automodell) und Yugos (balkanisches Automodell) mehr
  • unsere Nichte und die beiden Neffen
  • einen tiefblauen See oder einen rauschenden Fluss
  • eine Scheibe dunkles Brot mit einem Stück rezenten Gruyère
  • ein Stück Brie auf einem Birnenschnitz
  • ein Glas guten Rotwein
  • ein Drink in der Berner Turnhalle
  • schwitzen nicht bei kompletter Inaktivität bloss aufgrund der Hitze sondern wegen höchster (weg) sportlicher Betätigung
  • sportliche Betätigungen an sich (weg)
  • die Hintergrundsendungen von Radio DRS 2
  • das Marzili und die Aare –> ein Aareschwumm
  • keine unzähligen unnötigen ‘topes’ (speedbumps) mehr
  • keine freundliche aber ungebetene Aufmerksamkeit von Polizei und Militär mehr
  • die in der Zwischenzeit neugeborenen Schweizer Babys (alleine in unserem Bekanntenkreis sind es deren fünf!)
  • gesicherter Flöcklinachschub
  • Sommer slow ups
  • ausgiebige Spielnächte
  • Grillabende mit Vegigrillgut
  • freie Kleiderwahl
  • wieder mal eine echte Zeitung lesen und - als Bonus - sie sogar verstehen
  • Velo statt Auto als Fortbewegungsmittel
  • Klavierspielen
  • Zeit um unsere vielen Fotos zu ordnen
  • Euch zu einer Diashow einladen
  • Unseren vermaldeiten Vorhangknopf jeden Abend mit viel Geduld zuknöpfen zu müssen
  • Schweizer Lindt-Kugeln
  • und natürlich auf euch alle!


    Der Kreis schliesst sich

    24 07 2009

    Vor ca. elf Monaten sind wir spät abends auf der Suche nach einem Schlafplatz von einer slowenischen Bauernfamilie gastfreundlich aufgenommen worden. Es war die erste von einer Perlenkette vieler gelungener und gegenseitig bereichernder Begegnungen auf unserer Reise. Die Čops haben unsere Erlebnisse seither per Blog mitverfolgt und wir sind per Mail in Kontakt geblieben.

    Natürlich besuchen wir sie dann auf der Heimreise wieder. Es ist wie ein Heimkommen! Wir werden abermals derart freudig empfangen, dass wir die Einladung für einen zusätzlichen Ruhetag nicht ablehnen können. Wir geniessen wunderbar frisches, dunkles Brot mit hausgemachter Konfitüre, erwandern eine wunderbar kühle Schlucht, unternehmen eine Velotour, helfen in einem “choge stotzige Hoger” mit Handrechen beim Heuen, kuscheln mit sechs kleinen kedis (kediabyssinia ist im siebten Katzenhimmel), schwimmen im wunderbar türkisgrünen Bledsee und tauschen bei leckerer slowenischer Kost viel aus unseren verschiedenen Welten aus.

    Auf diese schöne Art hat sich ein Kreis gechlossen. Der Besuch ist Anfang und Ende von erlebter grosszügiger Gastfreundschaft und die sanfte Einstimmung auf die Rückkehr. Hvala (Danke) liebe Familie Čop!!

    Ein herzliches Hvala an unsere Gastgeberfamilie in Bled

    Unsere liebe Gastgeberfamilie in Bled wie eh und je

    Impressionen vom Bauernhof in Bled

    kediabyssinia im Katzenhimmel



    Luther und die Heiden

    23 07 2009

    Seid Bulgarien ziert nicht mehr der Halbmond sondern das Kreuz bzw. Doppelkreuz den höchsten Turm im Dorfzentrum. So viele Kirchen wie in dieser Region haben wir schon lange nicht mehr gesehen, jede kleinste Hügelkuppe wird religiös ‘markiert’. Zum religiösen Empfinden der hiesigen Bevölkerung eine kleine Episode: “Aha, dann seid ihr also Heiden” meint die ältere Katholikin nachdem sie uns nach unserer Religion gefragt hat. Dann stellt sie nüchtern fest: “Ihr betet zu Luther, wir beten zu Jesus.”

    Offensichtlich gibt es nicht nur zwischen den Religionen Missverständnis sondern gerade auch innerhalb der Religionen.



    Zwei auf einer Spur

    22 07 2009

    Wir fahren wie immer overländ gemütlich Richtung Ljubljana auf einer zunehmend schmaler werdenden Hinterländstrasse. In the middle of nowhere passieren wir eine Ampel. Grün, nichts Böses ahnend fahren wir weiter. Es folgt eine Unterführung. Höhe: 2.60. Ohalätz, unser Sidi ist 2.80 Meter hoch! Es scheinen aber ungemein grossgewachsene 2.60 zu sein… Wiewasmeinsch steigt aus und kontrolliert die langsame Durchfahrt. Der Sidi duckt sich, aber das wäre wohl kaum nötig gewesen: auf der Tafel sollte 3.60 Meter stehen. Nach diesem kleinen Unterbruch geht’s weiter.

    Nun wird die Strasse enger und enger - und plötzlich kommt uns ein Auto ziemlich schnell entgegen. Kediabyssinia bremst und hält gegen den Rand, so dass der Wagen gerade noch passieren kann - oder besser: hätte passieren können. Denn der andere scheint dagegen eher zu beschleunigen, gestikuliert, bremst dann doch und fährt schliesslich mit blockierten Rädern in die Leitplanke. “So ein Depp!” entfährt es mir, aber da weiss ich noch gar nicht, dass diese Charakterisierung ungenau, weil zu mild, ist. Der Fahrer steigt nun nämlich aus, verwirft die Hände resp. zeigt mit allen Zeigefingern und einigen wenig schmeichelhaften Kraftausdrücken auf uns und ruft flugs die Polizei. Wir hätten die Ampel bei rot passiert und seien darum schuld, dass er - trotz Lichthupens unsererseits, bester Sicht auf Sidis unübersehbare 2.80 und freigemachten Weges - sein Auto demoliert habe!! Der Satzteil zwischen Gedankenstrichen muss ihm dabei allerdings entfallen sein. Das ist natürlich dicker Tubak und die Realität kann den Rauch deshalb leider nicht durchdringen. Schon bald versammeln sich hinten und vorne gegen 50 Fahrzeuge, die natürlich sofort alle diese leicht einseitige Variante des Vorfalles aufgetischt erhalten. Nicht einfach sich mittels einigen Deutsch- und Englischsprechenden auch ein bisschen Gehör und Sympathie zu verschaffen. Mit einem leicht mulmigen Gefühl warten wir also auf die Polizei und hoffen, dass diese nicht aus dem gleich Dorf wie der sich weiterhin ereifernde Fahrer kommt.

    Entwarnung: Die Polizei schaut sich die Sache an, stellt kurz und knapp fest, dass - egal wie die Ampel stand - zum Bremsen mehr als genügend Platz bestanden habe und uns darum sicherlich keine Schuld treffe.

    Noch mal Glück gehabt!