Paradox

28 06 2009

Iran wohl das poetischste Volk auf Erden (vgl. vorgehernder Blogartikel).

Spannend in diesem Zusammenhang ist die Diskrepanz zwischen dem offiziellen, sagen wir eher restriktiven Standpunkt bezüglich Weingenuss und allen emotionalen Formen zwischenmenschlicher Beziehungen, und der Welt, die uns zum Beispiel in Hafes’ Diwan begegnet. Frönet dem Wein und der Liebe (auch gleichgeschlechtliche), geniesst das Leben und die Feste. Die allermeisten Gedichte drehen sich um diese Themen und es ist mir bis heute ein Rätsel wie die grösstenteils strenggläubigen Iraner diese expliziten Äusserungen und Ermunterungen verehren können, ohne eine handfeste Glaubenskrise zu riskieren.

Nachfolgend ein kurzer Abschnitt aus dem Diwan, den ich gekonnt nach iranischer Sitte per Zufallsgriff ausgewählt habe:

Gesegnet sei o Schenke,

des Festes Ankunft dir,

Und was du hast versprochen,

gedenke dessen mir.


Bring an das Kind der Rebe

den Gruss: kommt aus der Haft!

Erlöst nun hat dich unsrer

Gebete Zauberkraft

Angesichts der auffälligen Neigung des Regimes alle Arten von Cafés per Dekret oder Drangsalierung zu schliessen und die absolute Ächtung von Alkohol würde Hafes heute wohl eher ins Gefängnis gesteckt, denn als grosser Dichter verehrt werden.


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