Taarof
17 06 2009Ein Taxifahrer, der zuerst den doppelten Preis möchte (womit er aber bei uns erfolglos ist), sich dann am Ende der Fahrt weigert Geld anzunehmen und schliesslich nach dem erneuten Hinstrecken den Schein einsteckt.
Ein Früchteverkäufer, der sagt, er wolle kein Geld, uns aber den Schein schon aus der Hand nimmt, bevor er fertig abgelehnt hat.
Ein Tankstellenwart, der scheinbar aufs Bezahlen verzichtet, das Geld aber nach dem zweiten Nachfragen kommentarlos einsteckt.
Diese für uns leicht widersprüchlichen Verhaltensweisen sind Teil einer speziellen Höflichkeitskultur. Der iranische Knigge verlangt nun, dass der Verkäufer die Bezahlung erst einmal galant ablehnt. “Es ist nicht der Rede wert.” Wer dann aber mit merssi reagiert und sich verabschiedet, wird konsternierte Perser zurücklassen. Der Vorschlag ist natürlich überhaupt nicht ernst gemeint. Häufig wird das Geld schon nach dem ersten Nachhaken gerne angenommen. Manchmal wird die Floskel auch nur so halb gesagt und das Geld im gleichen Atemzug genommen. Bei eingefleischten Taarofner kann das Ritual aber auch 2-3 hin- und hergehen.
Für uns kann es ziemlich schwierig und zeitraubend sein, herauszufinden ob uns jemand wirklich etwas schenken will oder nicht.
Eine weitere Seite des Taarof ist uns begegnet, als wir in einer Familie in Busheher eingeladen waren und nach einem guten Essen das Teller dankend zurückschoben. Taarof sei das, entgegnete uns der Gastgeber und legte uns noch einmal grosszügig nach.










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