Antike Klimaanlagen

30 06 2009

Badgirs in Yazd

Badgirs in Yazd

Badgirs in Yazd

Nein, dies sind keine Wehr- und auch keine Aussichtstürme. Es handelt sich um die im Aussterben begriffene Spezies ‘Badgir’, zu Deutsch ‘Windturm’. In Städten in den heissen Wüstenregionen ragen sie 10 Meter und mehr in die Höhe um auch den leisesten Windhauch in ihren vertikalen Schlitzen einzufangen. Die Wüstenluft trifft auf ein darunter liegendes Wasserbecken, welches die heisse Luft etwas abkühlt bevor sie in die umliegenden Räume und den Innenhof geleitet wird. Ein Haus hat oft mehrere solcher Windtürme. Wie ihr seht sind sie nicht bloss funktional sondern haben auch eine gewisse dekorative Komponente, was man von modernen Klimaanlagen nicht gerade behaupten kann… Wenn wir auf unserem Sidi doch bloss auch so einen Windturm anbringen lassen könnten… eine Nasszelle wäre ja vorhanden;)

Badgirs in Yazd



Ostiran im Bildraffer

29 06 2009

Yazd (0.5 Millionen Einwohner, 1213 m.ü.M.), Stadt der Windtürme und unterirdischen Wasserkanäle - Artikel dazu folgen

Die Fassade des Amir Chakhmaq Komplexes

Das schwarze ‘Ding’ rechts wird bei den Trauerfeiern um den Märtyrer Hussein, der in der Schlacht von Kerbala (680) gestorben ist, von jungen Busse tuenden Männern auf den Schultern getragen

Amir Chakhmaq Komplex in Yazd

Die Minarette der Jameh Moschee von Yazd im Morgenlicht

Die Minarette der Jameh Moschee in Yazd im Morgenlicht


Kerman (0.5 Millionen Einwohner, 1754 m.ü.M.), ein Basar mit eintausendsiebenhundertjähriger Tradition

Auf dem Basar von Kerman

Die Säulengänge des Basars von Kerman

Auf dem Basar in Kerman

Kaluts (0 Einwohner, m.ü.M.), spektakuläres Wüstenerlebnis - ein Artikel dazu folgt

Sogar das Schild beugt sich der Hitze…

Sogar das Schild beugt sich der Hitze...



Paradox

28 06 2009

Iran wohl das poetischste Volk auf Erden (vgl. vorgehernder Blogartikel).

Spannend in diesem Zusammenhang ist die Diskrepanz zwischen dem offiziellen, sagen wir eher restriktiven Standpunkt bezüglich Weingenuss und allen emotionalen Formen zwischenmenschlicher Beziehungen, und der Welt, die uns zum Beispiel in Hafes’ Diwan begegnet. Frönet dem Wein und der Liebe (auch gleichgeschlechtliche), geniesst das Leben und die Feste. Die allermeisten Gedichte drehen sich um diese Themen und es ist mir bis heute ein Rätsel wie die grösstenteils strenggläubigen Iraner diese expliziten Äusserungen und Ermunterungen verehren können, ohne eine handfeste Glaubenskrise zu riskieren.

Nachfolgend ein kurzer Abschnitt aus dem Diwan, den ich gekonnt nach iranischer Sitte per Zufallsgriff ausgewählt habe:

Gesegnet sei o Schenke,

des Festes Ankunft dir,

Und was du hast versprochen,

gedenke dessen mir.


Bring an das Kind der Rebe

den Gruss: kommt aus der Haft!

Erlöst nun hat dich unsrer

Gebete Zauberkraft

Angesichts der auffälligen Neigung des Regimes alle Arten von Cafés per Dekret oder Drangsalierung zu schliessen und die absolute Ächtung von Alkohol würde Hafes heute wohl eher ins Gefängnis gesteckt, denn als grosser Dichter verehrt werden.



Oh Hafez

27 06 2009

In der guten, alten Stube im Emmentaler Bauernhof lag wohl zu Gotthelfs Zeiten die Bibel auf dem Nachttischchen. Im Iran ist es der Koran, gestern wie heute. Aber nicht nur: Ein Gedichtband des wohl grössten persischen Dichters liegt fein säuberlich daneben. Jederzeit griffbereit. Dichter haben im Iran einen ganz besonderen Stellenwert. So kann jeder junge Bursche, jede alte Greisin eine Ghasele aus Hafez’ Diwan oder Sadi’s Golestan zitieren. Dies ist nicht bloss ein Klischee, wir selbst kamen in den Genuss Hafez’ rythmische Verse auf der Si-o-se Brücke Esfahans aus dem Mund einer befreundeten, modernen Dichterin zu hören. Hafez’ Grab in Shiraz kommt einem Wallfahrtsort gleich, wo Menschen aus dem ganzen Land ehrfürchtig das Grab des Dichters berühren während sie seine Verse vor sich hin murmeln. In Tabriz ist den Lyrikern Persiens gar ein ganzer Friedhof gewidmet.

Der im 14. Jh. lebende Sufi Hafez liebte die Liebe, das Leben, den Wein und die Frauen. Kein Wunder wird er auch heute noch von vielen Iranerinnen und Iranern in allen Lebenslagen konsultiert. Die Augen werden geschlossen, der grosse Dichter angerufen. Anschliessend klappt man den Diwan an irgendeiner Stelle auf und interpretiert die vorgefundene Ghasele im Angesicht der persönlichen Lebenslage. Teilweise sind es auch Kanarienvögel, welche die weissagende Ghasele aus einer kleinen Box picken, während Kinderaugen strahlend die dafür bezahlten divis (zweihundert) toman (20 Rappen) einstecken.

Hafez’ Grab in Shiraz

Hafez' Grab

Kuppel von Hafez' Grab

Menschen berühren das Grab Hafez'

Mag sein, dass in manchen Haushalten in der Schweiz auch heute noch eine Bibel auf dem Nachtttischchen liegt. Wie wär’s mit Goethe daneben? Oder doch lieber Ringelnatz? Mein persönlicher Favorit:

Dunkel war’s, der Mond schien helle

schneebedeckt die grüne Flur

als ein Wagen blitzeschnelle

langsam um die runde Ecke fuhr


Drinnen sass ein stehend Männchen

stumm in ein Gespräch vertieft

als draussen auf der Sandbank

ein toter Hase Schlittschuh lief

Christian Morgenstern

Wie dieses Gedicht im Lichte der gegenwärtigen Entwicklungen im Iran interpretiert werden kann? Nun, die Welt scheint voller Gegensätze: Wirft man Mussevi in die Wahlurne, spuckt sie plötzlich Ahmadinejad aus.

Übrigens, das mit Goethe auf dem Nachttisch ist ernst gemeint. “Und mag die ganze Welt versinken, Hafez, mit dir, mit dir allein will ich wetteifern! Lust und Pein sei uns, den Zwillingen, gemein! Wie du zu lieben und zu trinken, das soll mein Stolz, mein Leben sein”. So hat Goethe seinen um vierhundert Jahre ‘älteren poetischen Zwilling’ bewundert - Goethe als Alternative zum Horoskop in der Zeitung?



Zentraliran im Bildraffer

26 06 2009

Kashan (350′000 Einwohner, 935 m.ü.M.), Stadt der Paläste aus 1001 Nacht

Auf dem Dach des Basars

Auf dem Dach des Basars in Kashan

Auf dem Dach des Basars in Kashan

Abyaneh (ein paar alte Frauen, 2235 m.ü.M.), ein farbenfrohes Bergdorf, in welchem noch Mittelpersisch gesprochen wird, nahe von Natanz

Das rote Lehmdorf Abyaneh in den Bergen zwischen Kashan und Esfahan

Esfahan (1.7 Millionen Einwohner, 1574 m.ü.M.), Stadt der Künst(l)e(r) und absolutes Highlight des Irans

Der Naksch-e Jahan, der Platz der halben Welt (vgl. Blogartikel ‘die halbe Welt’)

Zusammensitzen auf dem Naksch-e Jahan Platz in Esfahan

Shiraz (1.8 Millionen Einwohner, 1531 m.ü.M.), Stadt der Dichter - Artikel folgen

Die Nasir ol-Molk Moschee in Shiraz im Abendlicht

Die Nasir ol-Molk Moschee in Shiraz im Abendlicht

Prächtige Farbglasfenster im Innern der Nasir ol-Molk Moschee in Shiraz

Prächtige Farbglasfenster im Innern der Nasir ol-Molk Moschee in Shiraz

Busheher am Persischen Golf (176′000 Einwohner, 0 m.ü.M.), es war sprichwörtlich höllisch heiss (vgl. Blogartikel ‘Wenn schon heiss, dann richtig heiss’)

Es ist viel zu heiss für eine Fahrt auf dem Persischen Golf

Persepolis (0 Einwohner, 1630 m.ü.M.), Neujahrspalast der Achämeniden

Persische und medische Soldaten (oben), Symbol des Jahreswechsels (unten)

Persische und medische Soldaten (oben), Symbol des Jahreswechsels (unten)

Das Tor der Nationen

Tor der Nationen

Pasargade (der tote Kyros, 1847 m.ü.M.) Hier ruht er seit 2500 Jahren in Frieden, der grosse Herrscher der Achämeniden

Kyros’ I Grab

Das Grab von Kyros I in Pasargade