Zuckersüsses Schlitzohr

23 05 2009

Die Iraner sind bekannt für ihre ausserordentliche Gastfreundschaft. Seit wir dieses wunderbare Land bereisen, erleben wir sie hautnah. In jeder grösseren Stadt werden wir auf’s herzlichste von einem persönlichen Empfangskomitee willkommen geheissen. Und das kam so: Silvester-Neujahr haben wir mit einem ausserordentlich sympathischen, deutsch-iranischen Pärchen am Golf von Aqaba verbracht, Karl und Jila. Sie wollten (von Deutschland) via Saudi-Arabien - Oman in den Iran einreisen, wir via Türkei. Als wir dann in Teheran waren, dauerte es keine Stunde nachdem Jila aus Deutschland ihre Familie per Telefon über unsere Ankunft avisiert hatte, bis wir von zwei Brüdern in unserem Alter zum Sightseeing abgeholt wurden. Abends darauf, gab es dann ein ausgezeichnetes Abendessen bei der Familie zuhause. Die Familie von Jila ist sehr nett und, wie es hier so üblich ist, über’s ganze Land vernetzt. So kriegten wir folgende nüchterne SMS ‘Leila will be your guide in Esfahan’, einen fröhlichen Anruf von Fatima, dass sie uns in Shiraz erwarten würde, und eine Einladung nach Busheher. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis welche nach Yazd, Kermanshah, Sanandaj etc. folgen werden… Es ist eine wunderbare Erfahrung so herumgereicht zu werden und wir können tief hinter die Kulissen blicken. Wir treffen Unbekannte und verlassen oft Freunde.

Einige Episoden unseres Aufenthalts in Shiraz:

Seit drei Tagen verbringen wir Zeit mit Fatima und ihrer Familie. Ihr achtjähriger Sohn scheint uns ins Herz geschlossen zu haben und hat uns als Zeichen seiner grossen Zuneigung seinen Lieblingsdrink zubereitet: Orangenlimonade gemischt mit Kirschsirup, beides in purer Konzentratform. Das Ergebnis war farbenfroh, im wahrsten Sinne zuckersüss - und schlicht untrinkbar. Doch kann man eine solche Ehrerbietung nicht einfach ablehnen. Also trinken wir das klebrig-süsse Getränk, im Versteckten verdünnen wir es mit Wasser. Doch es wird einfach nicht weniger süss, im Gegenteil. Schliesslich offenbart sich mir die Erklärung auf dem Grund des Glases: Der gute Junge hat das ganze zusätzlich mit zwei Zuckerwürfeln gesüsst, welche sich nun langsam auflösten. Je süsser das Getränk, desto ’sweeter’ finde er die Gäste, erklärt er uns verschmitzt. Wir wissen es zu schätzen, unsere Zähne und Mägen etwas weniger.

Nach einer Nacht bei uns im Camper im siebten Himmel, hat sich der Junge etwas spezielles ausgedacht, wie er noch mehr Zeit mit uns verbringen könnte. Ich soll beim Metzger gleich um die Ecke Fleisch für das allgegenwärtige Kebab holen gehen und nehme ihn mit. Als wir dort angelangen, meint er, dieses Fleisch sei nicht gut und wir sollen zu ‘Super Guscht’ (= Super Fleisch) gehen. Nichts böses ahnend vertraue ich ihm - um dann eine geschlagene Stunde mit ihm durch die horrende Mittagshitze von Schatten zu Schatten zu Super Guscht zu hüpfen, wo wir das Fleisch doch innerhalb zehn Minuten hätten haben können;) Als wir zurückkommen, hat seine Mutter bereits wiewasmeinsch auf die Suche nach unserem Verbleib geschickt…


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