Paradies auf Persisch
21 05 2009Beim Durchfahren der schönen Zagros-Berge können wir der Anschrift auf der Karte nicht widerstehen und machen einen Umweg zum behescht-e gomschode, zu Deutsch “verlorenes Paradies”. Gestützt auf diese sowie weitere Picknickerlebnisse, hier nun die Erläuterung was die Perser unter Paradies verstehen:
Zutaten:
1. Wasser: Nach Möglichkeit in Form von Wasserfällen (unter die man zwecks Fotoshooting - natürlich mitsamt Kleider, resp. Tschador - mitsamt den Schuhen stehen kann). Anschliessend fliesst das paradiesische Nass über unzählige ganz seichte Wege durch ein kühles von blühenden Blumen gesäumtes Waldstück.
2. Picknickstellen: Am besten ein grosses, flach betoniertes Plätzchen, neben einem solchen kleinen Wasserweg, wo man sich mit der ganzen Grossfamilie zum gemütlichen Geniessen niederlassen kann. Er sollte auch mindestens 50cm von der nächsten Stelle/Grossfamilie weg sein, ein bisschen Privatsphäre muss schliesslich sein.
3. Parkplatz: Da Paradiese auch im Iran meistens mehr als 20 Meter von der Haustür entfernt liegen, braucht man natürlich das Auto um hinzukommen. Und da am freien Freitag in der Regel auch noch andere die gleich Idee haben, braucht es einen richtig grossen Parkplatz. Er sollte übrigens möglichst nahe der der erwähnten Picknickstelle liegen und mit ihr mit einem Stögelischuh tauglichen Pfad verbunden sein, weil man schliesslich den Grill, Kebab-Spiesschen, Teppiche, die 10kg Gasflasche, Teller, Krüge, Gläser, Wasserpfeifen, etc. etc. irgendwie dorthin transportieren muss.
4. Touristen: Der Gipfel des Paradieserlebnisses scheint für einige Iraner die Möglichkeit, zwei Touristen zu polo und tschai (Reis und Tee) und gemütlicher Plauderstunde einzuladen. Für einmal lehnen wir herzlich dankend ab, dies mindestens 3-4 Mal, da die hiesige Kultur ein x-maliges Nachfragen und Ablehnen erfordert. Die Iraner, nachdem sie sich überzeugt haben, dass wir nicht nur aus Höflichkeit ablehnen, akzeptieren dies problemlos und geniessen das plätschernde Wasser weiterhin in vollen Zügen.
P.S.: Das Wetter spielt übrigens eine untergeordnete Rolle. Im Gegensatz zu uns Sonnenanbetern wird hier nämlich Regenwetter als “gutes Wetter” bezeichnet.












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