Und da passierte es doch

7 04 2009
Endlich, alle, die unsere Reise und den Nahen Osten als gefährlich eingeschätzt haben, können sich bestätigt fühlen - zumindest ein bisschen :-)
Da haben wir schon gedacht die arabische Kultur und die intakte soziale Kontrolle würden uns vor allen Langfingern schützen - die Velos lassen wir wegen Unaufmerksamkeit unsererseits als Ausnahme durchgehen - und was müssen wir feststellen? Gelegenheit macht Diebe, da schützt wohl keine Mentalität.

Da liegt unser - also eigentlich eher mein und ganz genau gesagt eigentlich Miriams - topmodernes Natel während ca. 30 Minuten unbeaufsichtigt auf unserer Terasse, wo wir tagtäglich frühstücken, unsere Arabischlektionen vor- und nachbereiten, sonnenbaden, etc. Nach 30 Minuten lag es nun nicht mehr dort, sondern hat, ganz ungewollt, den Besitzer gewechselt. Zu unserer Verteidigung müssen wir erwähnen, dass unsere Terasse von hohen Mauern (zwecks Sichtschutz der muslimischen Frauen) umgeben und praktisch nur von der einzig höher gelegenen Terasse unserer Nachbarn einsehbar ist. Dass ebendiese Nachbarn uns später allerfreundlichst zu mehrstündigem Tanz (nur Fräne), einem ausgezeichneten Abendessen, Tee und Kuchen einladen, kann - muss aber nicht interpretiert werden. Naja, zum Glück war das Guthaben fast aufgebracht und in der Schweiz gibt es vielleicht eine Wirtschafts- aber wohl kaum eine Natelversorgungskrise.

Leider müssen wir noch eine weitere unerfreuliche und für Syrien untypische Geschichte erzählen: Während dem Besuch der den iransichen Moscheen nachempfundenen äusserst farbenprächtigen und im Innern komplett verspiegelten Assayidah Zeinab Moschee südlich von Damaskus wurden kediabyssinias Mutter doch tatsächlich die traditionellerweise vor dem Gebetshaus abgelegten Schuhe gestohlen. Offensichtlich kann man auch hier vom reichlich vorhandenen Glauben alleine nicht leben.

Wir wollen nicht mit negativer Berichterstattung hören. Im Anschluss wollte uns die Frau am Eingang ihre eigenen Schuhe überlassen. Eine nette Geste, die wir aber nicht angenommen haben - wir hatten ja Ersatz im nahen Sidi.

Die Assayidah Zeinab Moschee südlich von Damaskus

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Impressionen beituna

5 04 2009

Bevor wir die schönste Stadt der Welt (Rafik Schami) verlassen und in den Iran weiterreisen (eigentlich hätte es heissen sollen: ‘mit M&MN Syrien bereisen’, doch der Artikel wird mit ein bisschen Verspätung publiziert…), wollen wir euch einige Bilder unseres zuhauses (auf Arabisch beituna) zeigen:

Wir wohnen in Nummer 17. Läuft man/frau unter dem Torbogen die Strasse geradeaus weiter und dann ganz vorne rechts, steht man/frau direkt vor bzw. hinter der Omayaden Moschee. Über Vor- und Nachteile dieser Wohnlage konsultiere man/frau bitte vorhergehende Artikel;)

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Jeden Tag wenn wir nach Hause kommen, lächeln wir freundlich in die obere linke Ecke über unserer Haustür, da haben nämlich unsere Nachbarn aus Nummer 19 eine Kamera angebracht nicht zuletzt um zu sehen, wer bei ihnen klingelt - aber natürlich auch um das Leben ihrer Nachbarn mitverfolgen zu können. Zum nachbarschaftlichen Verhältnis vergleiche den kommenden Artikel ‘Und da passierte es doch noch’.

Das Innere unserer Wohnung haben wir nicht abgelichtet - es gibt wenig zu sehen;) Ein kurzer Beschrieb soll genügen: Gleich hinter der Eingangstür führt eine enge steile Treppe in den ersten Stock, wo sich ‘unser Reich’ befindet. Um ein sommerlich überdachtes (= mit Wellblech > es zieht) ’Wohn’zimmer reihen sich - den klassisch arabischen Innenhöfen nachempfunden - drei Zimmer, wovon Chrigu und ich ein kleines, lichtscheues aber unseren Ansprüchen genügendes (es gibt ein schmales Bett, einen kleinen Tisch und Möglichkeiten unsere Bücher und Kleider zu verstauen) bewohnen. Die grosse, wenn auch fensterlose Küche war dank (und nur dank) unseres Camperinventars schnell hervorragend aufgerüstet. Steigt man eine weitere steile Treppe am vierten Zimmer vorbei hoch, gelangt man zu einem grosszügigen Bad, dem Luxus einer riesigen Waschmaschine und schliesslich zum Highlight der Wohnung: einer arabischen Terrasse (> von hohen Mauern umgeben als Sichtschutz für die arabisch-häuslichen Frauen) mit wunderbarer Sicht auf den Berg Kassiun und die nahe gelegene Omayadenmoschee.

Diesen Ort, wo wir täglich frühstücken, die Tauben, von ihren Meistern von den Dächern Damaskus’ aus geleitet, über unseren Köpfen ihre Kreise ziehen sehen, unsere Arabischwörtli vor- und rückwärts lernen bis wir sie hoffentlich in- und auswändig können und nicht zuletzt die Sicht über die Dächer der Altstadt geniessen, werden wir vermissen!


kediabyssinia beim Arabisch lernen auf ‘dem Diwan’

kediabyssinia beim Arbeiten auf unserer Terasse in Damaskus

Sicht vom ‘Diwan’ aus: Die Omayadenmoschee, gleich um die Ecke

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Sicht auf den Berg Kassiun in der Morgendämmerung

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Sicht auf den Berg Kassiun kurz bevor ein Gewitter über Dimaschq al kadima (der Altstadt Damaskus’) heraufzieht

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