Diyarbakir, Hauptstadt der Kurden

18 04 2009

Fahren, fahren, fahren über die weiten, grünen Ebenen zwischen Şanliurfa und Diyarbakir

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Stundenlang gleiten wir über endlos weite, erst fruchtbare dann immer karger werdende, grüne Ebenen, begleitet von einem parallel verlaufenden schneebedeckten Bergband im Norden. Schliesslich erreichen wir Diyarbakir, oder zumindest dessen Ortsschild: nüfüs 1.5 Millionen. Anfangs queren wir bloss junge Getreidefelder, dann tauchen die ersten Hochhäuser auf. Im Grunde genommen schwimmen wir in einem Strom von Autos durch ein nicht enden wollendes, buntes Meer von Hochhausretortensiedlungen. Irgendwann, interessanterweise eher abseits am heutigen Stadtrand, nicht im Stadtzentrum, erblicken wir die imposante Stadtmauer. Aus schwarzem Basalt massiv gebaut, umschliesst sie die Altstadt weitgehend intakt über sechs Kilometer. Das düstere Bild der dunkeln Mauern in der Abenddämmerung wird im Stadtkern von mehreren dem Verfall preisgegebenen Häusern, und den engen und schlecht beleuchteten Strassen noch verstärkt. Diese Gegend scheint noch immer stark vom Bürgerkrieg der 1990er Jahre gezeichnet. Vor dem nüchternen *****-Hotel, welches wir als Standplatz auserkoren haben, wird dieser düstere Eindruck regelrecht hinweggegrüsst; neugierig und äusserst herzlich werden wir - diesmal mit Cola statt çay - empfangen.

Ebenso fröhlich-freundlich geht es am nächsten Tag weiter: Gemeinsam mit zwei wachen, sympathischen Kurden streifen wir durch verwinkelte Gassen, entdecken christliche Kirchen hinter unscheinbaren Portalen und bestaunen die der Omayadenmoschee in Damaskus nachempfundene Ulu Cami. Unsere neuen Freunde sind sehr offen und erzählen über sich und ihre Stadt. Der Bürgerkrieg hat nicht nur im Stadtbild Spuren hinterlassen sondern scheint auch in den Köpfen der Menschen noch sehr präsent. Die Kluft bzgl. sozioökonomischen Chancen zwischen türkischen und kurdischen Türken ist bloss wenig kleiner geworden und immer noch bedeutend. Ein Fortschritt für die Kurden sei zwar aufgrund des hohen Druckes seitens der EU auszumachen, die Dinge bewegten sich aber langsamer als eine Schildkröte. Doch auch eine Schildkröte erreicht einmal ihr Ziel, so hoffen wir zumindest.

Wir verlassen Diyarbakir mit dem Eindruck einer Stadt, die ihren Stolz in den mächtigen, schwarzen Mauern bewahrt hat, deren Lebensfreude aber über die Stadtmauergrenzen hinausquillt - in Form vieler, bunter, von tausenden von Menschen bewohnter, gen Himmel ragender Häuser.

Diyarbakirs imposante Stadtmauer

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Einfahrt in die Hauptstadt der Kurden

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Das ist noch echte Stadtrivalität

13 04 2009

Nach dem kurzen Umfahren von Gaziantep und Besuch des sehr empfehlenswerten Schanliurfa wollen wir euch die Geschichte der Namen dieser Städte im türkischen Südosten nicht vorenthalten:

Als Antep 1973 im Gedenken an die Helden des türkischen Unabhängigkeitskrieges seinen Namen zu Gaziantep (heroisches Antep) wechselte, empfanden die stolzen Einwohner von Urfa verständlicherweise einen relativen Bedeutungsverlust, den sie nicht einfach hinzunehmen gedachten. Angesichts fehlender Revolutionshelden besannen sie sich auf ihre glorreiche Geschichte als Geburts- und Wundervollbringungsort Abrahams und tauften ihre Stadt 1984 kurzerhand auf Schanliurfa (glorreiches Urfa) um. Nun stehen sie mit Gaziantep wieder auf einer Stufe.

In Urfa bestaunen wir die unglaublich vielen Karpfen in den Teichen des Abraham-Wunderkomplexes und geniessen das schon fast südländische Flanieren in schönen fussgänger-(und nicht auto)optimierten Strassen und Plätzen. Etwas, das es in den erlebten arabischen Städten weniger gibt. Dort sind die Menschen zwar häufig draussen auf der Strasse, aber eher um Geschäfte zu treiben. Leben tut man hinter den Mauern des Hauses.

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Vom Tourismus unverdorben

12 04 2009

In Halfeti (siehe „Reiseroute“) haben wir eine wunderschöne Wanderung inmitten blühender Natur, entlang des Euphrats zur Burgruine Rumkale unternommen. Das Dorf selber ist halbwegs im 2000 gefluteten Stausee versunken, was ihm eine sehr spezielle Atmosphäre verleiht und die Leute verständlicherweise gegenüber dem Fortschritt in Staudammform etwas misstrauisch gemacht hat.

Am Eindrücklichsten ist jedoch die Freundlichkeit und Gastfreundschaft der Leute; man könnte meinen, es hätte sich noch niemals ein Tourist hierhin verirrt… Auf unserer Wanderung schliesst sich uns spontan ein junger Türke an, erklärt uns alles (wir sind intensiv am Reanimieren unserer verschollen geglaubten Türkischkenntnisse) und lädt uns dann zum Tee ein. Auf dem Rückweg ins Dorf werden wir weiterhin alle paar Häuser zum Tee eingeladen, die Leute gehen uns voraus, um sicher zu sein, dass wir die nächste Abzweigung nicht verpassen, rufen uns freundliche Grüsse zu, etc. etc. Dies alles ohne jede Geschäftstüchtigkeit oder Aufdringlichkeit.

Auf unserer Reise sind wir schon vielen netten Menschen begegnet und oft zum Tee eingeladen worden, aber selten haben wir uns von einem ganzen Ort so willkommen gefühlt.

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Schön isch es gsi…

11 04 2009

Und Syrien ist Vergangenheit… aber wir kommen wieder.

Wir haben Syrien Richtung Türkei verlassen und machen uns nun - die Südosttürkei entdeckend - innert ca. 10 Tagen auf den Weg in den Iran. Wir haben die Zeit sehr genossen, Arabisch gelernt, ein faszinierendes Land entdeckt und neue Freunde gefunden. Im Herbst kommen wir zum Arbeiten wieder - kediabyssinia ganz sicher und wiewasmeinsch sofern ihm seine Praktikumsstelle zugesagt wird - inschallah. Doch, die Aare wollen wir uns diesen Sommer doch nicht entgehen lassen… Das heisst konkret: Wir fahren zwischen Iran und Syrien in die Schweiz zurück. Eure Agenda hat soeben einen “high priority” Eintrag für August bekommen:-)

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Wir hatten Besuch

9 04 2009
Nach zwei schönen und intensiven Wochen, kommen wir nun dazu den Besuch der Eltern kediabyssinias medial aufzuarbeiten.

Es erwarten euch viele neue Fotos von unserer Rundreise zuerst nach Maalula und Safita, wo wir von Espers (wiewasmeinschs Arabischlehrer) Familie herzlich empfangen, ausgezeichnet verköstigt, grosszügig übernächtigt und ausführlich herumgeführt werden. An dieser Stelle herzlichen Dank an Mutter, Vater, Geschwister und natürlich Esper selbst!

wiewasmeinsch, Esper (4. v.l.), Teil seiner Familie (1., 5. und 6. v.l.) und M&MN

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Weiter fuhren wir über die riesige Kreuzfahrerfestung Krak des Chevaliers, die fantastischen Wasserrädern von Hama, die monumentale römische Säulenstrasse von Apamea, einige verlassene byzantinische Geisterstädte, den quirligen Bazar und der die Stadt überragenden riesigen Festung von Aleppo, das fruchtbare Euphrattal und die eindrücklichen Ruinen der Oasenstadt Palmyra zurück nach Damaskus.

Der imposante Krak des Chevaliers mitten im - für uns ungewohnten - Grünen

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Hamas norias (Wasserräder) fi leil (abends)

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Ausschnitt der ellenlangen Säulenstrasse Apameas

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Farbenspiel in der Geisterstadt Serjilla

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Im Souq Aleppos

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Der Euphrat bei der Festung Zenobias

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Blick vom Qala’at Ibn Maan auf die Ruinen Palmyras im Sandsturm

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Blick vom Berg Kassiun über Damaskus

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Wie durch die überlange Aufzählung angedeutet, haben wir in relativ kurzer Zeit, eine Menge gesehen und sehr viele Eindrücke aufgenommen. Wer übrigens wissen will, wo diese Orte alle liegen, dem sei unsere Seite „Reiseroute“ wärmstens ans Herz gelegt. Dort kann man alle unsere Schlafplätze zentimetergenau ansehen und sich auf Wunsch sogar Wikipedialinks zu allen Sehenswürdigkeiten einblenden lassen. Fotos dazu gibt’s wie gehabt auf flickr (rechte Seitenleiste).

Bald sind wir wieder alleine unterwegs - es bleiben schöne Erinnerungen an die gemeinsame Zeit und auch noch dies:

Merci vielmal!

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