Ausgehen in Amman
12 02 2009In Amman in einem sehr gemütlichen Café zwischengelandet und erst nach drei Tagen wieder losgekommen, treffen wir ein paar einheimische Medizinstudis, die uns am Freitag Abend zu einem Bar- und Clubbesuch inkl. vorgelagerter Stadtrundfahrt einladen. Einige der Highlights:
Erster Teil: Stadtrundfahrt
In einem der exklusivsten Viertel sehen wir millionenschwere aber häufig leerstehende Villen aus 1001 Immobilienspekulation inkl. der dazugehörenden protzigen Limousinen. Hier verdient man eindeutig kein Geld - hier hat man es.
Underdressed-Level: Beträchtlich, aber im Auto nicht auffallend.
Zweiter Teil: Irish Pub
Wir werden in ein original Irish Pub mit dunklem Bier und Fussballleinwand mitgenommen. Unsere Anführer scheinen eine Menge Leute zu kennen, denen wir vorgestellt werden. Wahrscheinlich macht es sich für sie auch nicht schlecht ein paar “verrückte” Schweizer, die mit dem Camper unterwegs sind, zu präsentieren. Der Chef ist “zufälligerweise” ein guter Freund unserer zwei Studenten und wir (und die ganze Gruppe) erhalten alles spendiert, wobei er natürlich ein paar (übrigens durchaus ernst gemeinte) Komplimente über Land und Leute gerne entgegennimmt.
Underdressed-Grad: Beträchtlich und auffallend.
Dritter Teil: Eight Club
Wir fahren - oder besser gleiten - im wohl spritdurstigsten Offroader, in dessen hochgelegenen Ledersitzen meine Wenigkeit jemals versunken ist, zu einem privaten Club in dem für eine Runde Champagner der durchschnittliche Monatslohn des armen Parkplatzwächters, der unten den Mercedes bewacht, bezahlt wird. Der oben erwähnte Chef des Irish Pubs kennt “zufälligerweise” die Betreiber dieses Edelschuppens und nur deshalb kommen wir überhaupt rein und auch hier alles spendiert. Wir übernehmen gekonnt die Rolle der zurückhaltenden Schweizer und beobachten das Gebaren des Ammaner Establishments. Die Musik lässt die Trommelfelle krachen und es wird teilweise hemmungslos, unzweideutig, hautnah getanzt. Alles ist erlaubt, alles ausser Küssen. Zu unserem grossen Amusement, werden Paare, deren Lippen sich im Tanzrausch allzu nahe kommen, per dezentem Ärmelzupfen an die guten Sitten erinnert.
Underdressed-Grad: Nicht zu überbieten.
Zurück in der Welt der Normalsterblichen mit täglich 3.- CHF für Nahrung anstatt Champagner und Schubkarren anstatt Ferrari ist die Erfahrung irgendwie unwirklich aber gerade deshalb auch wertvoll. Wer diese zerrissenen Gesellschaften hier verstehen will, muss beide Seiten wahrnehmen.










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