Pamukkale - Konya
4 11 2008
Die Österreicher fahren nun Richtung Küste weiter, während wir im Landesinnern den direkten Weg nach Kappadokien wählen, bevor es noch kälter wird. Schon jetzt wird es in der Nacht so um die 4-5 Grad, die Touristenströme nehmen ab und es wird uns langsam bewusst, dass auch im Nahen Osten Winter wird. Wir nehmen zusätzlich zur Decke die Schlafsäcke hervor und geniessen die warmen Sommerstrahlen tagsüber, denken aber dennoch manchmal wehmütig an die noch badetaugliche Küste. Angesichts der in unzähligen Blautönen leuchtenden Seen, wilden Canyons- und von schneebedeckten Bergen dominierten steppenartigen, trockenen Ebenen ist das Meer - zumindest vorläufig - allerdings dann sehr schnell vergessen.
In Isparta hören wir von bedeutenden Rosenölfabriken und fahren mit unserem Sidi frech gleich vors marmorne Hauptportal von Gülbirlik. Alsbald werden wir vom Geschäftsführer des Weltmarktleaders im eleganten Büro empfangen und nach kurzem Smalltalk während über einer Stunde im Betrieb herumgeführt. Die Rosenölproduktion (700kg à je 5’300.- € jährlich) findet nur im Mai/Juni statt, frisch ab Rosenfeld sozusagen. Aber wir sehen die Herstellung der Kosmetiklinien sowie von Rosenkonfitüre (lecker!), Rosensüssigkeiten und Rosensirup womit wir jeweils auch grosszügig beschenkt werden. Am Schluss beschreiben wir - nach bestem Wissen - also mehr als ungenau - die Marktlage in der Schweiz. Wer weiss, vielleicht finden wir bei unserer Heimkehr tatsächlich Rosenseprodukte von „Rosense“ vor?
Auf dem Weg nach Eğirdir haben wir unsere erste und hoffentlich letzte Lektion im Fotografieren von Militäreinrichtungen erhalten. Als vor uns Eğirdir auf einer schmalen Landzunge weit in den tiefblauen See ragend auftaucht, können wir nicht anders als - ziemlich knapp neben der Strasse - stoppen und ein paar Fotos machen. Unsere ganze Aufmerksamkeit einerseits dem Verkehr neben uns, und andererseits dem Kamerasucher gewidmet nehmen wir zunehmend hektische Rufe und Trillerpfeiffen im Hintergrund erst nach einiger Zeit als nicht zu einem Fussballmatch gehörend, sondern auf unsere unerwünschte Anwesenheit gerichtet, wahr. Bei näherem Hinschauen können wir dann auch einen gut getarnten Militärposten, der sich ungebetenerweise auf unserer Schusslinie befindet, entdecken. Nach extrem kurzer Erörterung der Lage beschliessen wir auf weitere Fotos zu verzichten und schleichen uns so unauffällig das mit dem Sidi halt geht, davon, womit die Geschichte glücklicherweise zu Ende ist. Es bleibt das Paradox, dass man Anlagen mit viel Aufwand tarnt, nur um dann bei jedem dritten Touristenauto mit Trillerpfeiffen auf ihre Existenz aufmerksam machen zu müssen.
Weiter geht es nach Konya. Diese Stadt liegt schön zwischen Bergen und der grossen inneranatolischen Tiefebene und ist eine der boomenden schon fast Millionenstädte, die offensichtlich mit Erfolg, die Gegensätze Modernisierung und Konservatismus miteinander vereinbaren vermögen. Selten haben wir so ausgedehnte kilometerlange Industriezonen gesehen und gleichzeitig begegnen uns vornehmlich verschleierte Frauen.
Einzigartig ist das Grab von Rami/Mevlâna, einem in der ganzen muslimischen Welt bekannten Sufi-Gelehrten, der hier seine berühmten überaus toleranten und offenen Gedanken niederschrieb. Die wunderschön verzierte Gedenkstätte (Moschee, Museum) ist das Ziel von jährlich über einer Million Pilgern.
Nun sind wir im Kappadokien, auf dem Papier einer der absoluten, ultimativen, unvergesslichen, highlightigsten Höhepunkte der Türkei. Die Realität ist fast ebenso gut wie die Ankündigung, allerdings sprengt die Beschreibung unsere Computerzeit und muss darum noch warten.
Categories : Naher Osten, Reise, Türkei













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